Geschichte einer der ältesten Industriestätten: Treibach in Kärnten.
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Elektrizitätsgesellschaft übernommen, der Wattverbrauch gegenüber den bekannten Lampen war weniger wie die Hälfte, je Kerzenstärke nur 1,5 Watt gegenüber 3,5 der Kohlenfadenlampe. Dabei war die Lebensdauer wesentlich länger, bis zu 5000 und 0000 Brennstunden. Auer von Welsbach hatte sich die erreichbaren Vorräte an Osmium gesichert. Die Osmiumlampe wurde dann 1906 von der Firma Westinghaus, Metallfadenglühlampenfabrik, übernommen. Sie wurde durch die Wolframlampe übertroffen und abgelöst, welche hauptsächlich durch die Patente Just und Hanamann, später Kuschel, entwickelt wurde. Die Ursache, daß Auer Osmium und nicht Wolfram seinen Versuchen zugrunde gelegt hatte, war darin zu suchen, daß die. damaligen Handbücher dem Osmium einen höheren Schmelzpunkt als dem Wolfram zuschrieben. Der Verkauf der Schutzrechte der Osmiumlampe war für Treibach sehr ungünstig, denn bei Weiterarbeit an dieser Erfindung wäre sicherlich in den Treibacher Werken eine große Glühlampenindustrie entstanden.
Auer von Welsbach wendete sich daraufhin einer neuen, Aufgabe zu, die darin bestand, für die großen bei der Gasglühlichtfabrikation abfallenden Cer-Rohmaterialien, den sogenannten „Bergen“, eine Verwertung zu schaffen. Bei diesen Arbeiten entdeckte er die Eigenschaft des von ihm hergestellten Cermetalls, mit spanabreißen- den Werkzeugen leicht Funken zu geben. Er fand, daß diese Eigenschaft nicht dem reinen Cermetall zukomme, sondern auf Beimengungen beruhe; durch Erhöhung des Gehalts an diesen Beimengungen, vornehmlich Eisen, gelang es ihm, Cereisenlegierungen zu schaffen, deren Verwendung zu Zünd- und Leuchtzwecken er vorschlug und welche heute als Cereisen die Grundlage der Feuerzeugindustrie bilden.
Das Gasglühlicht benötigte als Rohstoff Thoriumoxyd. Auer von Welsbach verwendete zuerst nordische Erze, ließ dann in aller Welt nach Thoriummineralien suchen, und im Monazitsand, zuerst in USA., dann in Brasilien und später in Indien, wurde eine reichliche Quelle für die Versorgung mit „seltenen Erden“ gefunden. Der Monazitsand kommt zusammen mit Zirkon- und Titansand (Ilmenit) im Urgestein vor, und zwar in sehr geringen Mengen. Durch die Atmosphärilien wird das Urgestein zerkleinert, durch Bach und Fluß fortgetragen und als Sand abgesetzt. Es gibt nun Küstenstrecken, wo durch Ebbe und Flut in jahrtausendelanger Arbeit eine kostenlose Aufbereitung stattgefunden hat, indem die schwereren Teilchen von den leichteren durch Wegschwemmen der letzteren getrennt wurden. Derartige Küstenstrecken fanden sich in Brasilien und Indien. Dort wurde dieser Rohsand gewonnen und durch magnetische Aufbereitung in den Monazitsand, den Zirkonsand und den Ilmenit getrennt. Jedes dieser drei Rohmaterialien bildet die Grundlage von neuen Industrien. Der Monazitsand für die Gasglühlicht-Cereisen-Mesothor- Industrie, der Zirkonsand für die Emailindustrie und die Industrie feuerfester Materialien, und Ilmenit die Grundlage für Titanweiß und die Ferrotitanindustrie. Die Gasglühlichtindustrie verwendete große Mengen Monazitsand, um ihren Thorbedarf zu decken. Tausende Tonnen von rohem Cersulfat sammelten sich in Halden. Durch die Erfindung des Cereisens war für diese Halden nunmehr eine lohnende Verwertung gegeben. Diese Halden wurden nach Treibach geschafft und dort industriell auf Cerchlorid umgearbeitet und dieses wieder durch Schmelzelektrolyse auf Cermetall verarbeitet, welches mit Eisen legiert das Cereisen bildet. Die Cereisenindustrie und mit ihr die Feuerzeugindustrie, entwickelte sich in Treibach zu einer auf dem