Aufsatz 
Geschichte einer der ältesten Industriestätten: Treibach in Kärnten / von Franz Fattinger
Entstehung
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Fran z Fattinger

Weltmarkt achtunggebietenden Größe. In vielen Ländern wurde versucht, Um­gehungspatente zu schaffen und die Erfindung Auers nachzuahmen. Daß es Um­gehungspatente waren, erwies sich aber am besten, als vor etwa 15 Jahren, bei Ablauf der AuER-Patente, sich alle anderen Erzeuger auch auf das AuERsche Cer­eisen einstellten. Feuerzeuge werden heute in Wien erzeugt und durch die Trei- bacher Chemischen Werke, welche die führende Weltfirma in Feuerzeugen sind, in allen Erdteilen vertrieben. Die jährliche Welterzeugung an Cereisen beträgt zirka 150.000 kg, wovon Treibach ein Drittel erzeugt.

Als zweites, auch den Monazitsand als Grundstoff verarbeitendes Gebiet, entwickelte sich in Treibach die Herstellung des Mesothoriums, und, da die Ver­fahren der Herstellung ganz gleich sind, daran anschließend die Herstellung des Radiums. Diese Industrie ist in den letzten Jahren in Treibach so weit entwickelt worden, daß Treibach heute in der Lage ist, jährlich etwa 10 Gramm Radium und Mesothorium zu erzeugen. Damit ist Treibach an die dritte Stelle der Welt­produktion an radioaktiven Elementen gerückt. Die Verwendung des Radiums erfolgt hauptsächlich in der Medizin, die des Mesothoriums hauptsächlich für die Leuchtfarbenindustrie. Die Schwierigkeit der Herstellung hat zwei Hauptursachen, erstens muß man aus den Erzen, welche Radium oder Mesothorium enthalten, mehr als 99,999% der Substanz abscheiden, und erst was dann übrig bleibt, sind die Radium- oder Mesothoriumkonzentrate. Zweitens ist die Strahlung dieser Elemente, wenn sie zu konzentriert ist, äußerst gefährlich für die Gesundheit der Beschäftigten. Es müssen daher alle Angestellten dieser Abteilung ständig unter ärztlicher Kontrolle stehen und außerdem müssen alle Vorsichtsmaßregeln getroffen werden, daß nicht zu hohe Konzentrationen der Strahlen auf die Beschäftigten einwirken. Der Preis des Radiums ist in den letzten Jahren stark gefallen, von etwa 60 Golddollar im Jahre 1932 auf 25 Papierdollar je Milligramm.

Eine dritte Neuindustrie entwickelte sich in Treibach auf Grund billiger elek­trischer Energie aus Wasserkräften und führte anschließend an die Erzeugung des Cereisens zur Entwicklung der Treibacher Chemischen Werke als elektrochemisches Unternehmen. Anfangs 1915 im Weltkrieg wollte die Firma Gebrüder Böhler & Co. A. G. Ferrolegierungen in Österreich erzeugen lassen, da die Absperrung vom Weltmarkt die Bedarfsdeckung beinahe unmöglich machte. In Treibach waren vorher schon Verfahren zur Erzeugung von Ferromolybdän ausgearbeitet worden, und so konnte Treibach nachweisen, daß diese Fabrikation schon beabsichtigt und vorbereitet war und es wurde sofort an die Werke in Treibach die Umarbeitung von Molybdänerzen übergeben. Bei der Bedeutung des Edelstahls für die Munitions­erzeugung war die Erzeugung des für Edelstahl nötigen Ferromolvbdäns sehr wichtig. Von weitaus größerer Bedeutung wurde noch die nach dem Krieg aufgenommene elektrochemische Herstellung von Ferrowolfram. Trotz fehlendem Zollschutz gelang es, die Fabrikation der Ferrolegierungen auszubauen. In Ferrowolfram ist Treibach in der Lage, jedes benötigte Quantum herzustellen und die Qualität entspricht allen Anforderungen, ist vielleicht die beste am Markt. Die Herstellung des Ferro- wolframs geschieht so wie die des Ferromolvbdäns im Elektroofen in Einheiten bis zu 1500 Kilowatt Energieverbrauch. Die Schwierigkeiten dieser Fabrikation liegen hauptsächlich in der außergewöhnlichen Reinheit, die von der verarbeitenden