Aufsatz 
Geschichte einer der ältesten Industriestätten: Treibach in Kärnten / von Franz Fattinger
Entstehung
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Geschichte einer der ältesten Industriestätten: Treibach in Kärnten.

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Stahlindustrie gefordert wird. Die Herstellung ist auch nur möglich, wenn die Wirtschaftlichkeit durch äußerst geringe Energiekosten gegeben ist. Als dritte Ferrolegierung für die Edelstahlfabrikation wird in Treibach Ferrovanadium er­zeugt. Die Herstellung des Ferro vanadiums erfolgt aluminothermisch. Das Produkt ist relativ hochwertig. Eine weitere Ferrolegierung, die in Treibach erzeugt wird, ist Ferrochrom, das hauptsächlich zur Erzeugung rostfreien Stahls dient. Ferro- chrom wird in den verschiedensten Kohlungsstufen erzeugt und es sind in Treibach alle Vorarbeiten gemacht, um auch die reinsten Sorten, d. h. die kohlenstofffreiesten, zu erzeugen. Studien, um auch Ferrotitan, Vorarbeiten, um auch Ferrotantal und Ferroniob, Ferrozirkon und andere von der Stahlfabrikation geforderte Legierungen zu erzeugen, sind im Gange.

Für alle Ferrolegierungen ist das Kennzeichnende, daß die Erze, da meist überseeisch, schwer zu beschaffen sind; z. B. kommen die Molybdänerze hauptsäch­lich aus Nordamerika, Wolframerze hauptsächlich aus China, Vanadiumerze aus Südafrika, und daher ist die Sicherung der Rohstoffbasis von außergewöhnlicher Bedeutung für die Entwicklung der Industrie. Nur bei Chrom hegt die Situation etwas besser, da Chromerze aus Kleinasien, Rußland, Brasilien und vielen anderen Ländern der Welt leicht erhältlich sind. Die Herstellung der Ferrolegierungen für die Edelstahlfabrikation erfordert außer der billigsten elektrischen Energie lang­jährige Erfahrungen, um die Reinheit, die die Marktfähigkeit bedingt, erzielen zu können, und erfordert außerdem enge Verbindungen mit den Erzsuchern und Erz- verkäufern.

Die Herstellung von Chemikalien auf elektrochemischer und elektrothermischer Grundlage, also wieder zur Ausnutzung billiger elektrischer Energien, wird auch in einigen Versuchsabteilungen betrieben. Die Treibacher Chemischen Werke haben seit einigen Jahren auch alles daran gesetzt, um trotz großer Kosten dem Obst­und Weinbau, Getreide- und Gemüsebau und der Forstwirtschaft billige einheimi­sche, gleich wirksame Mittel als die vom Ausland bezogenen, an Hand zu geben. Auch für die Schädlingsbekämpfung in der Viehzucht werden wirksame Präpa­rate erzeugt. Mehr als 30 verschiedene, erprobte Treibacher Pflanzenschutz- und Viehschutzmittel gewinnen immer mehr an Anerkennung und Verbreitung. Insbesondere sind es Derris- und Pyrethrum-Konzentrate, welche die Grundlage eines Teiles der Treibacher Pflanzenschutz- und Viehschutzmittel bilden, weil sowohl das Rotenon, der wirksame Stoff der Derriswurzel, und das Pyrethrum, der wirksame Stoff der Pyrethrumbliiten, die Eigenschaft haben, Warmblütlern beinahe nicht zu schaden, und dagegen Kaltblütlern, insbesondere Insekten, den Tod zu bringen. Arsenpräparate als Fraßgifte, Quecksilberpräparate als Beizmittel, Schwefel­und Kupferpräparate als Stäube- und Spritzmittel, werden in verschiedenster Art verwendet und von Treibach aus auf den Markt gebracht. Die Treibacher Chemischen Werke betreiben selbst in größerem Umfang Landwirtschaft und Viehzucht, ebenso Forstwirtschaft, und sind somit in der Lage, alle ihre Präparate in größtem Um­fang auszuprobieren und nur die erprobtesten Erzeugnisse auf den Markt zu bringen. Die Treibacher Werke sind in Kärnten führend in der Pferde- und in der Rinderzucht, und auch im Getreidebau sind schon viele Male Fortschritte erzielt worden.