Die Entwicklung der Wildbach Verbauung in Österreich.
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werden — übertragen. Die bezüglichen Arbeiten hielten sich zwar bisher in verhältnismäßig engen Grenzen, weisen aber trotzdem, je nach den verschiedenen Verhältnissen, große Mannigfaltigkeit auf.
Wenn sich auch seit der Gründung der forsttechnischen Abteilung im Jahre 1884 die Baumittel, Bauweisen und Werksformen zum Teil geändert haben, so ist doch eine grundsätzliche Änderung der Verbauungstechnik nicht nötig geworden, und viele wohlgelungene Verbauungen sowohl im heutigen Österreich als in den Nachfolgestaaten beweisen, daß die befolgten Grundsätze richtig waren.
Von den Nachfolgestaaten setzen — so viel bekannt — nur Italien und die Tschechoslowakei die Wildbachverbauung in der von Altösterreich begonnenen Weise zielbewußt fort, wobei Ingenieure, die hier ihre theoretische und praktische Ausbildung erhalten haben, an leitenden Stellen mitwirkten und zum Teil noch mit- wirken.
Als Professor Arthur Freiherr von Seckendorff im Jahre 1885 in Erfüllung des ihm übertragenen Lehrauftrages für Wildbachverbauung die erste Vorlesung hielt, führte er aus, daß Österreich als erstes Land die Unschädlichmachung der Wildbäche in Angriff genommen habe, daß es aber durch Frankreich und die Schweiz überflügelt worden sei, und forderte die Hörer auf, dahin zu streben, daß Österreich diesen Vorsprung wieder einhole. Seither ist mehr als ein halbes Jahrhundert verstrichen, und die forsttechnische Abteilung kann wohl mit berechtigtem Stolz darauf hin weisen, daß sie in unentwegter, treuer Pflichterfüllung das von Seckendorff gesteckte Ziel erreicht, und daß sie — wenn auch, namentlich in der ersten Zeit, mitunter Lehrgeld gezahlt werden mußte — viele Verbauungen geschaffen hat, die vom In- und Ausland als vorbildlich anerkannt werden.
In den letzten beiden Jahren w'ar aber die Tätigkeit der Abteilung durch die Knappheit der verfügbaren Geldmittel stark gehemmt und auch für das laufende Jahr hatte man sich schon mit der Fortdauer dieser Hemmung abgefunden.
Mittlerweile hat unser Führer Adolf Hitler in unvergleichlicher Entschluß- und Tatkraft Österreich heimgeführt ins Deutsche Reich, und am 26. März 1938 hat der mit der Durchführung des Vierjahresplanes betraute Ministerpräsident Generalfeldmarschall Hermann Göring das Programm für den Wiederaufbau der Wirtschaft in Österreich bekanntgegeben. In demselben ist auch die zielbewußte Fortführung der Wildbachverbauung vorgesehen. Wenige Wochen später war für diesen Zweck schon ein Mehrfaches jenes Betrages bewilligt, auf den sonst für heuer zu rechnen gewesen wäre. Hierdurch wurden die finanziellen Fesseln gelöst, welche die forsttechnische Abteilung namentlich in der letzten Zeit in ihrer Tätigkeit behindert haben, und es ist mit allem Grunde zu erwarten, daß nun die Wildbachverbauung einen neuen Aufschwung nehmen und daß sie in großzügiger Weise fortgesetzt werde zu Nutz und Frommen unseres schönen Heimatlandes, zum Heile seiner Bevölkerung und zur Ehre unseres großen Deutschen Reiches!
Quellen und Schrifttum.
1 Otto Stolz, „Gescliicktskunde der Gewässer Tirols.“ Schlernsckriften. Bd. 32, 1936.
2 Bericht der Gemeinde Pergine vom 26. April 1892. Z. 552.