Geschichte der Donauregulierung hei Wien.
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sich durch die Anlage von Treibspornen gegenüber Nußdorf; sie sollten die Schwere des Stroms vom linken Stromufer ab- und der Einmündung des Donauarms zu wenden; hierdurch wollte man das nördliche Ufer vor Abbruch schützen und mehr Wasser in den Donauarm drängen. Solche Werke wurden schon um die Mitte des 16. Jahrhunderts errichtet, ohne jedoch eine nachhaltige Wirkung zu erzielen. Es wurde daher iim das Jahr 1670 die Einmündung des Donauarms durch Erbauung eines Teilungswerks etwas weiter stromaufwärts verlegt, und als sich auch dieses Mittel als unzureichend erwies, wurde um 1686 überdies ein Gegensporn angelegt, um das Wasser der neuen Mündung zuzutreiben. Seit dieser Zeit bürgerte sich die Bezeichnung Donaukanal ein.
Die lebhafte Entwicklung des österreichischen Wirtschaftslebens, die seit der siegreichen Türkenabwehr im Jahre 1683 einsetzte, brachte auch eine Förderung des Verkehrswesens mit sich; die einzelnen Länder des Donaureiches sollten mit Wien, seinem Mittelpunkt, innig verknüpft werden. Es tauchte der Gedanke auf, ein zusammenhängendes Wasserstraßennetz anzulegen; es sollten die natürlichen Wasserstraßen der industriereichen Sudetenländer mit der Donau als der Hauptverkehrsader des Reichs durch Kanäle verbunden werden. So entwarf um 1700 der niederländische Wasserbaumeister Vogemonte das Projekt einer Verbindung der Donau mit der Moldau, ferner eines Kanals mittels der March und Beczwa zur Oder und von der Oder aus zum Stromgebiet der Weichsel. Hernach kamen andere ähnliche Projekte auf. Auch eine Wasserverbindung der Donau mit der Adria mittels eines von der Save zur Meeresküste zu grabenden Kanals wurde angeregt. Es sind weit ausschauende Pläne, die bezeichnend sind für den ausgreifenden Unternehmungsgeist dieser Zeit. Schon konnte sich die Wasserbautechnik an solch große Aufgaben wagen. War doch bereits die Kammerschleuse erfunden worden, die es ermöglichte, Höhenunterschiede zu überwinden. So wurden in England, Frankreich und Belgien um diese Zeit schon große Kanäle gebaut. In Österreich standen solchen Projekten finanzielle Schwierigkeiten entgegen. Übrigens waren hier die Kanalprojekte schon damals nicht neu. Hatte doch schon Kaiser Karl IV. 1375 sich mit dem Gedanken befaßt, die Moldau mit der Donau zu verbinden, um hierdurch Prag zum Mittelpunkt des europäischen Handels zu erheben. 1626 wollte Wallenstein auf eigene Kosten die Donau mit der Moldau und 1633 Kaiser Ferdinand II. den Strom durch die March mit der Oder verbinden lassen.
Durch die Zurückdrängung der Osmanen wurden Handel und Verkehr im Donaugebiet wie von einem schweren Bann befreit. Solange der Halbmond bis nahe an die Grenzen Österreichs geherrscht hatte, war der Verkehr auf dem Strom zumeist auf die Schiffahrt aus den deutschen Donaustädten nach Wien beschränkt gewesen. Nur selten wagten sich mutige Unternehmer bis nach Ungarn hinab, um Rohprodukte heraufzuholen. Nunmehr begann Handel und Verkehr allmählich wieder aufzublühen. Schon 1690 weiß der venezianische Gesandte Corner von der
Schiffweg, sowie den Rechen hei Großreifling, der die auf der steirischen Salza geschwemmten Kolilhölzerauffangen sollte. Es war sein letztes Werk; als er 1577 starb, wurde er in Landl begraben, wo er an seinem Lebensabend gewohnt hatte, um die Hauten an der Enns unmittelbar leiten zu können. Ein Grabmal von rotem Marmor, das sich an der Außenseite der Kirche in Landl befindet, bewahrt die Erinnerung an ihn.