Geschichte der Donauregulierung bei Wien.
129
zügiges Projekt, das an Feem aut und Hubebt anknüpfte. Auch er vertrat den Grundsatz, daß die Donau bei Wien in ihrem Lauf künstlich beschränkt werden müsse; schon von Höf lein an wollte er dem Strom einen geradlinigen Lauf geben. Er dachte auch an den Bau einer stabilen Brücke bei Wien, die im Trockenen errichtet werden sollte; nach vollendetem Bau sollte der konzentrierte Strom mit Hilfe eines Durchstiches unter der Brücke durchgeführt werden. Wie man sieht, enthält das Projekt Schemebls bereits annähernd jene Art der Lösung des Problems, die es ein halbes Jahrhundert später tatsächlich gefunden hat. Es ist sein Verdienst, daß ertrotz aller anscheinend unüberwindlichen Hindernisse, die ihm entgegentraten, unerschütterlich bei seinem Plan verharrt hat. Es schien, als ob schon unter dem Eindruck der Hochwasserkatastrophe im März 1830 sein Plan zur Durchführung kommen würde, doch verlief der Impuls ungeachtet der anfänglich tiefen Erregung der Gemüter doch wieder im Sand, obwohl gerade damals ein neuer auf die Regulierung des Stroms drängender Faktor wirksam wurde. Am 17. September 1830 fand die Probefahrt des Dampf boots „Franz I.“ auf der Strecke Wien—Pest statt; im Jahre 1837 wmrden die Probefahrten von Wien nach Linz und sechs Jahre später im Wiener Donaukanal unternommen. Einer günstigen Entwicklung der Dampfschiffahrt auf der österreichischen Strecke stellten sich als Haupthindernisse der Wirbel und Strudel bei Grein, die Zersplitterung des Stroms im Wiener Becken sowie die Jochbrücken bei Linz, Stein und Wien entgegen.
Einen energischen Anstoß zur neuerlichen Aufrollung der Regulierungsfrage gab die verheerende Überschwemmung im Jahre 1862. Gleichwohl schien sich das alte Schauspiel wiederholen zu wollen: Uneinigkeit der Fachleute, finanzielle Schwierigkeiten, ergebnislose Verhandlungen. Da griff das „Bürgerministerium“, das 1867 ans Ruder gekommen w r ar, in entscheidenderWeise ein; eine gründliche Lösung der Frage sollte dem kommerziellen Gesichtspunkt voll und ganz Rechnung tragen. Mit außerordentlicher Raschheit wurde die Regulierung von Nußdorf bis Fischamend durchgeführt. Am 14. Mai 1870 w ar der erste Spatenstich zu dem großen Werk getan worden und bereits am 30. Mai 1875 wurde die Schiffahrt im neuen, mit Hilfe eines Durchstichs hergestellten Strombett eröffnet. Im gleichen Zeitraum wurden fünf Brücken, hiervon drei Eisenbahnbrücken, erbaut. Am neuen Strombett wurden sovmhl für die öffentlichen Verkehrsanstalten wie auch für die Industrie- und Handelsuntemehmungen große und bequeme Landungsplätze und Lagerräume errichtet, die unter sich und mit den von Wien ausgehenden Eisenbahnen durch die Donauuferbahn verbunden wurden; sie stellte eine Zentralisation des gesamten über Wien gehenden Verkehrs dar. Hiermit w T ar ein Werk getan, um das man sich ein halbes Jahrtausend vergeblich bemüht hatte.
Heise nach Holland und an den Rhein, um die dortigen Wasserbauten zu studieren. 1772 führte er die Regulierung der Save, 1788 die Wiederherstellung der verfallenen Straßen m Krain durch. 1799*übernahm er die Leitung über den in Ausführung begriffenen Wiener-Neustädter Schiffahrtskanal, den er 1803 bis über die Leitha führte. 1804 wurde er Referent der Hofbaukommission, 1807 Direktor des Hofbaurates. Nach 63 jähriger Dienstleistung trat er in den Ruhestand. Für seine Verdienste erhielt er 1811 das Ritterkreuz des Leopoldsordens und wurde statutengemäß in den erbländischen Ritterstand erhoben. (C. v. Wurzbach, Biographisches Lexikon des Kaiserthums Österreich.)
Geschichte der Technik, 5. lieft.
9