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Franz Kirnbauer
Da die Lazius sehe Landkarte von Tirol den ersten Nachweis einer Beziehung zwischen Bergwesen und Landkartenkunst enthält, rechtfertigt sich eine etwas genauere Beschreibung des Kartenbildes.
Die Landkarte ist 42,5 X 35,5 cm hoch und breit und ist, wie alle übrigen Karten des Atlasses von Lazius, in einen ovalen Rahmen eingefügt, aus dem Köpfe, Krallen und Flügelspitzen des Kaiserlichen Doppeladlers hervorragen. Am oberen Kartenrande ist die Überschrift ,,Rhetia Alpestris in qua Tirolis comitatus description angebracht. Die Landkarte ist in landschaftlichem Stil gezeichnet, die Gebirge sind perspektivisch dargestellt. Die einzelnen Flüsse sind etwas übermäßig breit gezeichnet und lassen ihren Ursprung entweder in einer tümpelartigen Erweiterung als Quelle erkennen oder sie kommen plötzlich hinter einem Berg zum Vorschein. Die Ortschaften sind in Seitenansicht ausgeführt und nehmen mitunter eine ziemlich große Fläche der Karte in Anspruch. Für das Weinland wendet Lazius eine eigene Sig-
Saltzpfann
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Hallstatter
Abb. 3. Die Vischerschen Zeichen für Bergbau (1669).
(Auf die Hälfte verkleinert.)
Abb. 4. Ausschnitt aus der Georg Matthäus Vischerschen Karte von Oberösterreich (1669). Gegend von Hallstatt.
(Auf die Hälfte verkleinert.)
natur, ein Rebenblatt mit zwei Trauben, an. Auf dem Gardasee ist ein Fischer im Boot gezeichnet. Die Stellen des Bergbaus sind durch einen Bergmann mit hochgeschwungener Doppelkeilhaue gekennzeichnet (Abbildung 1 u. 2). So enthält die LAZius-Karte von Tirol nördlich von Innsbruck an der Stelle des Haller Salzberges einen mit halbem Oberkörper aus den Felsen ragenden Bergmann, weiters östlich der Stadt Schwaz einen mit der Keilhaue arbeitenden Häuer mit Bergleder und endlich an der Örtlichkeit des berühmten Silberbergbaus Schneeberg westlich von Sterzing einen Knappen mit Picke dargestellt. — Diese drei in den Felsen arbeitende Häuer sind somit das älteste, auf Landkarten zu findende Zeichen für Bergbau. — Wie groß übrigens damals die Bedeutung des Bergmannsstandes in Tirol gewesen sein muß, geht daraus hervor, daß auf dem Titelkupfer zum Text der Landkarte zwei Figuren, einen Tiroler Erzknappen und einen wehrhaften Etschtaler darstellend, abgebildet sind. 1
1 E. Oberiiummer und F. R. v. Wieser, 1. c., S. 34, bilden den Bergknappen