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Franz Kirnbauer
Vischer sein gewöhnliches Schreibpapier, das sogenannte P-Papier, herstellte. Es hatte ein kleines p als Wasserzeichen. Seine Nachfolger Wolf Vischer, Thoman Vischer und Valentin Brämer setzten einen Schild über das p, in den jeder sein Zeichen einfügte. Dies waren die ersten Steyrer Wasserzeichen aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. An ihnen kann man bereits erkennen, daß die Papierer immer mehr Wert auf die Schönheit des Zeichens legten und sich ganz in der Formgebung dem Stil der Zeit anpaßten. Andere Wasserzeichen sind ein aus der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert stammendes künstlerisches Pantherzeichen des Papiermachers Ferdinand Pock im sogenannten „Pantherpapier“ sowie verschiedene Adler im sogenannten „Adlerpapier“, dem besten Steyrer Papier. Das „Adlerpapier“ wurde bereits in den letzten drei Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts erzeugt. Valentin Brämer verwendete 1602 einen Doppeladler in einfacher Umrahmung;
Rupert Kienmosers Adlerpapier hatte 1722 einen einköpfigen Adler in verdrehter Stellung und Johann Gottlieb Docks Wasserzeichen (1735) war ein Doppeladler mit Krone, Zepter und Schwert, unter dem die Anfangsbuchstaben seines Namens standen. Außer diesen Wasserzeichen gab es um die Mitte des 18. Jahr- hunders zu Steyr noch Wasserzeichen mit prächtigen Umrahmungen, von einer Krone oder einem Ritterhelm gekrönt, so z. B. dasjenige des Pa- pierers Johann Kienmoser (1747).
Johann Kienmoser stellte auch ein Kanzleipapier her, das in den österreichischen Alpenländern stark verbreitet und beliebt war. Es weist mit seinen Wasserzeichen auf die alten und tiefen Beziehungen der Stadt Steyr zum Bergbau hin, der Stadt des Eisenhandels und Sitzes der „Innerberger Haupt-Gewerkschaft“. Kienmoser verwendete zwei Wasserzeichen mit bergmännischen Darstellungen. Das eine stammt aus dem Jahre 1759 und zeigt neben den Anfangsbuchstaben Kien- mosers einen Bergmann, der in der linken Hand einen Hammer, mit der Rechten einen Schild mit Schlägel und Eisen hält (Abb. 12). Die Kleidung des Häuers ist bemerkenswert. Er trägt Lederhose, Stutzen mit freien Knien und ein prächtiges Arschleder. Als Kopfbedeckung dient ein runder niedriger Schachthut. Der Hammer in der linken Hand ist ein sogenanntes „Eisen“. Wir dürfen also in der Gestalt gemäß der Tracht mit großer Wahrscheinlichkeit einen Eisenerzer Bergmann vermuten. Später wurde das Wasserzeichen so geändert, daß der Mann entgegen früher nach links blickt und mit einem Hammer in der rechten Hand auf einen Ambos schlägt, der über dem Schild angebracht ist (Abb. 13). Die Kleidung dieses Knappen ist gleich wie vorher, die bergmännische Betonung jedoch durch ein womöglich noch größeres Bergleder hervorgehoben. Neben diesem Wasserzeichen treten auch die Anfangsbuchstaben des Namens Kienmosers 1. K. wieder auf.
Abb. 12.
Abb. 13.
Bergmännische Wasserzeichen aus dem Jahrei 759.
(Auf die Hälfte verkleinert.)