Alois Negrelli, sein Leben und sein Werk.
Von
Dipl.-Ing. Viktor Schützenhofer.
Mit 11 Abbildungen.
Alois Negrelli wurde am 23. Jänner 1799 im südtirolischen Grenzflecken Primiero (Bild 1) .geboren. Sein Großvater war 1760 aus der damals zu Österreich gehörigen Lombardei eingewandert, erwarb drei Höfe und zählte damit zu den angesehensten Einwohnern des Ortes. Einer dieser Höfe, der den Namen „Casa Negrelli“ (Bild 2) heute noch trägt, sollte das Geburtshaus Alois Negrei.lis werden. Der Vater konnte nur wenig deutsch. Die Mutter, die mit ihrem Mädchennamen Wirthemrerger hieß, war deutschtiroler Geburt. So kam es, daß der junge Negrelli die deutsche Sprache vorerst nur mangelhaft beherrschte und ihrer erst am Ende seiner Studien in Innsbruck vollkommen mächtig wurde, um sie dann aber formvollendet amzuwenden und zur Sprache seines Lebens zu machen. Sogar seine Tagebücher sind, mit verschwindenden Ausnahmen, in der deutschen Sprache abgefaßt. Er genoß eine sorgfältige Erziehung; anfänglich durch einen Hauslehrer, dann zwei Jahre in einem Institut im lombardischen Städtchen Valstagna und schließlich von 1812 bis 1817 im Seminar der Schulbrüder in Feltre. Abgesehen von einem ausgesprochenen Sprachentalent, besaß er besondere Neigung für Physik, Mathematik und Zeichnen, welch letzteres er bereits spielerisch als Kind mit anerkanntem Erfolg geübt hatte. Da sein Vater als Mitkämpfer gegen die im Jahre 1809 eindringenden Franzosen von diesen gefangengenommen wurde und fünf Jahre eingekerkert blieb, geriet die Familie in Not. Die Mutter mußte den größten Hof verkaufen und hatte Schwierigkeiten, für die Erziehung ihrer drei Söhne — und fünf Töchter — aufzukommen. Da die Schulbrüder .ihren fähigsten Schüler — als solcher galt der junge Alois — nicht verlieren wollten, kamen sie bei Kaiser Franz für ihn um ein Stipendium ein, das nicht nur für die Seminarzeit, sondern auch für eine kurze ergänzende Ausbildung gewährt wurde. So besuchte er 1818 die Akademie der schönen Künste in Venedig und die Universitäten in Padua und Innsbruck. Am 19. Februar 1819 trat er als provisorischer, unbesoldeter Ingenieurpraktikant in den Dienst der Provinzialdirektion von Tirol und Vorarlberg in Innsbruck und wurde am 5. Oktober dieses Jahres iu gleicher Eigenschaft in den definitiven Staatsdienst übernommen. Bei der