Goethe, Naturwissenschaften und Technik.
Von
Dipl.-Ing. Dr. mont. Franz Kirnbauer, Wien-Mödling.
Mit 11 Abbildungen.
Es gibt keine patriotische Kunst und keine patriotische Wissenschaft. Beide gehören, wie alles hohe Gute, der ganzen Welt an und können nur durch allgemeine freie Wechselwirkung aller zugleich Lebenden, in steter Rücksicht auf das, was uns vom Vergangenen übrig und bekannt ist, gefördert werden.
Johann Wolfgang von Goethe.
Maximen und Reflexionen.
Das Jahr der 200. Wiederkehr des Geburtstages Johann Wolfgang v. Goethes gilbt der gesamten Kulturwelt Anlaß, dem Genius des großen Dichterfürsten Huldigungen darzubringen. Goethes umfassende Beziehungen zur gesamten Geistes- und Ideenwelt weiden in den Mittelpunkt zahlreicher Untersuchungen gestellt, seiner überragenden Persönlichkeit als Dichter, Seher und Forscher auf allen Gebieten des Wissens wird erneut gedacht. Nicht nur Dichtkunst in höchster Weisheit und Vollendung, sondern auch die Gabe forschender Nabur- betrachtung waren Goethe in hohem Maße eigen. Oft wurde Goethe hingestellt als der ideelle Überwinder großer Widerstände, als Bekämpf er alles Materiellen durch Geistiges und Ewiges. Und doch stand dieser große Geist und Herrscher im Reiche der Ideen wie selten einer mit beiden Füßen fest verwurzelt auf dem Wirklichkeitsboden des Menschentums. Ein eigenartiges Geschick hat es gefügt, daß gerade der Bergbau, dieser durchaus wirkliche, erdgebundene Zweig menschlichen Wissens und Schaffens, ihm in einer derart bedeutenden Epoch e seiner dichterischen Entwicklung, wie sie der Beginn der Weimarer Zeit darstellt, besonders nahe gestanden ist und ihn auch sein ganzes Leben lang begleitet hat.
Goethes Beziehungen zu den Naturwissenschaften und zur Technik sind überaus (mannigfaltig und zahlreich. Sie in knapper Darstellung in den nachfolgenden Betrachtungen zusamm enf assend wiederzugeben, mag das Goethe- Jahr 1949 der Anlaß sein, um daraus ein Bild der umfassenden Persönlichkeit des Sehers und Deuters von Weimar (Bild 1) entstehen zu lassen. Es ist verständlich, daß Fragen, die wir heute etwa mit dem Begriff „Technik und Volk“ bezeichnen,