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Franz Kirnbauer
an geschlossen und kurz mitumtersucht werden. Auch soll die Einstellung Goethes zu den sozialen Problemen der damaligen Zeit am Beispiel jener dies dem Dichter besonders ans Herz gewachsenen Bergmannstandes kurz erläutert werden.
I. Goethe und die Naturwissenschaften.
Bei Beginn seiner Naturibetradhtungen sagte Goethe: „Die ernstliche Leidenschaft, womit ich diesem Geschäft naohhing, konnte niemand begreifen, niemand
sah, wie sie aus meinem Innersten entsprang; sie hielten dieses löbliche Bestreben für einen grillenhaften Irrtum, ihrer Meinung nach könnt’ ich was Besseres tun und meinem Talent die alte Richtung lassen.“ Selbst die Freunde haben Goethe in diesem Punkte nicht verstanden. Die naturwissenschaftlichen Bestrebungen gehören aber trotzdem notwendig zu seinem Bilde. Sie sind Bekenntnisse, die, wie seine Gedichte, wie sein Faust, „seinem Innersten entsprungen sind“ und in denen sich sein eigenstes Wesen ausspricht und befreit. Der Naturfoscher Goethe steht heute gleichberechtigt neben dem Dichter Goethe vor uns. Überraschend sind die überaus große Umschau und die tiefe Gesamt- schau, die Goethe bei seinen naturwissenschaftlichen Betrachtungen und Forschungen erreichte und uns zu übermitteln bestrebt war. Die Gestalt Goethes als Naturforscher ist so groß und so umfassend, daß seinem Ruhm kein Abbruch getan wird, wenn festgestellt wird, daß er in einigen Fragen, wie etwa in der physikalischen Farbenlehre, irrte.
Die Naturforschung Goethes erstreckte sich über alle Bereiche der Natur. Den Pflanzen, Tieren, Mineralen und Gesteinen, den Farben und den atmosphärischen Erscheinungen galt sein Forschen.
Goethe bleibt stets im Bereiche der uns umgebenden Erdenwelt. Aber alle seine Schriften haben eine Heimlichkeit, ein Geheimnis, welches offenbar wird in seinen Dichtungen. Diese vermögen ihre Bedeutung für das Erkenntnisstreben der Menschheit — das seinem Wesen nach über unsere enge Erdenumwelt und Gegenwärtigkeit hinausstrelbt — nicht zu enthüllen, wenn sie im gewöhnlichen Sinn als Dichtungen hingenommen werden. Sie gelten heute den meisten noch als
Bild 1. Johann Wolfgang v. Goethe. Nach einem Ölgemälde von Kügelchen (1808).
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