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Franz Kirnbauer
Wiener Porzellans wurden bald berühmt und die Tassen galten als beliebtes Sammelobjekt.
Die hervorragendsten Schöpfungen der Du-PAQUiER-Zeit sind Schwarzlotmalerei mit Gold und die weltberühmten Malereien des Porzellanzimmers aus dem DuBSKY-Palais im österreichischen Museum für angewandte Kunst am Stubenring (Abb. 6 und 7).
Wenn zunächst Du Paquier sich mehr an chinesische Vorbilder in der Dekoration hielt, so begann doch schon zu seiner Zeit sich das AYiener Künstlertum durchzusetzen und der „Chinoiserie“ die „deutsche Blume“ entgegenzuhalten. Gerade letztere ist es aber, die den Weltruf der Wiener und Meißner Erzeugnisse ausmacht. Ja die Beliebtheit dieser Blumenmalerei ging so weit, daß sich die Chinesen bemühten, diesen Dekor nachzuahmen und im Auftrag der Ostindischen Kompagnie, die ihre phantastischen Einnahmen aus dem ostindischen Porzellangeschäft bedroht sah, nach Europa zu liefern. Aber ebenso wie die Chinoiserie immer nur eine Nachahmung chinesischer Malerei blieb, so blieb auch die chinesische Nachahmung des „deutschen Blumen“-Dekors weit hinter dem Original zurück. Der Chinese kannte unsere europäischen Blumen nicht und es wurde ein unverständliches Ornament daraus.
Die Manufaktur unter Maria Theresia 1744—1780
1 >ie Epoche zwischen 1730 und 1740 war für das Alt-A\ 7 iener Porzellan sehr entscheidend. Die Werke .jener Zeit erreichten eine künstlerische AMllwertigkeit, die in der ganzen AVelt Anerkennung fand. Allerlei Figurenmalerei, intime Schäferszenen und mythologische Darstellungen gaben unter Maler Botten- grubers Einfluß dem AATener Porzellan eine eigene Note. Die erste Blütezeit der Wiener Manufaktur war angebrochen.
Trotz seiner großen künstlerischen Erfolge hatte aber das \\ 7 erk vielfach mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, so daß Du Paquier gezwungen war, die Manufaktur dem Staat anzubieten. Im Jahre 1744 entschloß sich Kaiserin Maria Theresia, die als weitblickende Herrscherin Österreichs die Bedeutung kunstgewerblichen Schaffens für die X olkswirtschaft klar erkannt hatte, die Fabrik in staatliche Verwaltung zu übernehmen. Die Unterschrift Du Paquiers auf dem \ T erkaufsvertrag vom 10. Mai 1744 zeigt Abb. 8.
Von nun an führte die Manufaktur als staatliche Fabrik das österreichische Landeswappen, den Bindenschild, als Marke, den der Volksmund „Bienenkorb“ nannte, und damit die weltberühmte Bezeichnung für echtes AATener Porzellan schuf (Abb. 3).
Seit der Übernahme der Fabrik durch den Staat machte sich auch eine straffere Organisation geltend. Die alten Warenbestände wurden abgestoßen und sodann einheitliche Preisbestimmungen festgesetzt.
Um 1749 entdeckte man in Schmölnitz in Ungarn eine schöne weiße Kaolinerde, die der bisher verwendeten Passauer Erde überlegen war. Die Stücke aus der neuen Wiener Masse wurden mit dem Bindenschild in blauer Unterglasur bezeichnet.