150 Jahre Kaolingewinnung in Kriechbaum bei Schwertberg
Von
Franz Kirnbauer, Wien-MÖdling
Mit 4 Abbildungen
Das Kaolin vor komm en von Kriech bäum, in den Gemeinden Allerheiligen und Schedlberg gelegen, befindet sich etwa 5 km nordöstlich des Marktes Schwertberg, Oherösterreich. Es ist seit genau 150 Jahren bekannt, denn in den Marktkommuneschriften der benachbarten Pfarre Tragwein wird 1803 erstmalig ein Einwohner der Ortschaft Kriechbaum, namens Theodor Reischl, Bewohner des heute noch bestehenden Dürrwieshäusls, als „Weissenmacher“ erwähnt. In der handgeschriebenen Chronik von Tragwein ist weiters das Jahr 1827 eingetragen als Beginn des Verkaufes von „weißer Erde“ nach Linz zu Zwecken des Uniformweißens. Das Militärärar verwendete damals Kaolin außer zum Weißen der Soldatenuniformen auch zum Putzen der Riemen und des Zaumzeugs. In den Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts betrieb dann der Besitzer des Bauerngutes „Krenschuster“ — heutiges „Lindner-Haus“, Kriechbaum Nr. 9 — namens Stockinger, die Kaolingewinnung in allerkleinstem und allereinfachstem Maße. Der Kaolin wurde in Gruben, etwa in der Größe von Kalkgruben, Übertags gewonnen, in einfachen Holzbottichen von den groben Rückständen gereinigt und mittels Pferdefuhrwerks an die Hafner nach Linz verkauft. Weiters verwendeten auch die Steyrer Hafner den Kaolin aus Kriechbaum gerne, den sie unter dem Namen „Schwertberger Ton“ bezogen. Auf einfachste Weise gereinigter Kaolin wurde um diese Zeit auch an die Handschuhmacher in Enns verkauft.
Um 1860, nach anderer Überlieferung im Jahre 1852, kam der Wilhelmsburger Brenner Ignaz Wahlmüller nach Kriechbaum, erwarb einige kaolinführende Grundstücke, darunter das Bauernhaus „Simon unter der Leiten“ (das seinerzeitige „Pfeiffer-Haus“) und errichtete die erste Schlämmanlage an der Bezirksstraße Schwertberg—Tragwein. Die Einrichtung war äußerst einfach: Der in hölzernen Klärbecken verdickte Kaolinschlamm wurde in kräftigen Leinwandsäcken zwischen zwei starken Eichenholzplatten, die durch Hebel und Holzschrauben gegeneinander gepreßt wurden, entwässert und im Freien getrocknet. Wegen der besseren Qualität des geschlämmten Kaolins bildete Wahlmüller eine