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Franz Kirnbauer
mächtige Konkurrenz für Krenschuster, so daß sich dieser schließlich gezwungen sah, die Erzeugung aufzugeben, da er für seinen minderwertigen Kaolin keine Abnehmer mehr fand.
über die Tätigkeit Ignaz Wahlmüllers sind übrigens noch folgende Einzelheiten zu erwähnen: Die tagbaumäßige Gewinnung von Rohkaolin erfolgte zuerst auf dem Gebiet der Ortschaft Schedlberg, also westlich der Bezirksstraße Schwertberg—Tragwein, und zwar an jener Stelle, wo sich gegenwärtig noch eine kleine Vertiefung oberhalb der Sandhalde befindet bzw. bislang der Ziegelofen stand. Der Abbau erfolgte auf Grund eines Pachtvertrages mit dem Grundeigentümer, dem Besitzer des Hofes „Bauer in der Oedt“, dem Landwirt Ferdinand Schmiedberger, Schedlberg Nr. 8. Wahlmüller zahlte für jeden in Anspruch genommenen Quadratklafter Bodens 1 Kreuzer jährlich an Schmiedberger. I >er hier gewonnene Rohkaolin war vorzüglich und von hohem Feinkaolingehalt. Die vorhandene Schlämmaschine konnte jedoch den Kaolin nicht genügend aufbereiten, da das Fehlen von größeren Mengen an Grobsand im Rohmaterial dies verhinderte. Außerdem geriet Ignaz Wahlmüller in Streit mit Schmiedberger, da dieser eine Erhöhung des Pachtschillings beanspruchte. Er begann daher 1880 mit der Abdeckung des Kaolinlagers östlich der früheren Stelle, das ist auf der anderen Seite der Straße, in der Ortschaft Kriechbaum. Wahlmüller legte hier einen neuen Tagbau an. Es war diejenige Stelle, wo sich später dann lange Zeit hindurch die beiden sogenannten „Wienerberger Teiche“ befanden und wo gegenwärtig der Christinen-Tagbau mit dem Christinenschacht-Mundloch angelegt ist. Am 27. Mai 1893 starb Ignaz Wahlmüller, ein Mann von großer Tatkraft, Umsicht und Fleiß. Als Gesamterbin wurde seine Frau eingesetzt, die im Jahre 1894 den Besitz ihrem Sohn Viktor übergab.
Viktor Wahlmüller erweiterte die Anlage seines Vaters durch Errichtung von drei großen Klärbecken aus Bruchsteinmauerwerk, stellte eiserne Filterpressen auf und erbaute neue Trockenhütten. Auch die tiefbaumäßige Gewinnung des Rohkaolins führte er erstmals hier ein. Bedeutende Schwierigkeiten ergaben sich für Viktor Wahlmüller aber im Mangel einer entsprechenden Wasserhaltung an den Kaolingewinnungsstellen im Tagbau sowie in der Grube. Die vorhandenen Pumpen entsprachen nicht den Erfordernissen. Im Jahre 1897 war daher Waiilmüller bereits stark verschuldet. Auch die durchgeführten Neuanlagen konnten seine Kaolingewinnung nicht verbessern oder verbilligen, so daß er sich nach Erschöpfung der Betriebsmittel entschloß, sein Werk zu veräußern.. Von ihm erstand der Budweiser Händler R. Pollak, der sich mit dem Pilsener Rechtsanwalt Dr. A. Klein verbunden hatte, 1898 das Kaolinvorkommen samt den dazugehörigen Anlagen. Pollak und Klein führten den Betrieb in mäßigen Grenzen ein Jahrzehnt lang unter dem Namen „Dr. Klein u. Comp., Kaolin- und Chamottewerke Schwertberg“ weiter. Die Firma erwarb auch Abbaurechte auf den benachbarten, im Gemeindegebiet Schedlberg liegenden kaolinführenden Grundstücken und begann durch Errichtung einer neuen Schachtanlage, den Kaolin auch dort tiefbaumäßig in kleinem Maßstab zu gewinnen. Da dies aber nicht auf fachliche, bergmännische Weise geschah, zeigte sich alsbald die Unwirtschaftlichkeit dieser Art der Kaolingewinnung. Das Unternehmen stieß daher