Aufsatz 
150 Jahre Kaolingewinnung in Kriechbaum bei Schwertberg / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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150 Jahre Kaolingewinnung in Kriechbaum bei Schwertberg

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die Anlagen wieder ab, zumal die Betriebsmittel vollkommen erschöpft waren. Ein Verkaufsanbot Kleins und Pollaks wurde von derMontan-Actien-Gesell- schaft in Prag angenommen und Ingenieur V. Better im Herbst 1910 mit dem Abbohren der zugehörigen und benachbarten kaolinhöffigen Grundstücke betraut. Nach Abschluß dieser Bohrungen um Weihnachten 1910 kam der Kaufvertrag zwischen Pollak-Klein und der Prager Montan-Actien-Gesellschaft im Jänner 1911 zustande. Der Kaufpreis betrug 60.000 Kronen.

I lurch V. Better wurde die Schachtanlage stillgelegt und der Rohkaolin wieder tagbaumäßig gewonnen. Noch 1911 wurden vier größere Trockenhütten errichtet, die alten kleinen Filterpressen mit eisernen Kammern außer Betrieb gesetzt und durch zwei Jakobi-Kammerpressen von je 1,20 m 3 Inhalt ersetzt. 1913 wurden weitere zwei Pressen, Bauart Xetsch, von gleicher Leistung aufgestellt und drei neuzeitliche Klärbecken von etwa 200 m 3 Inhalt in Eisenbeton durch eine Brünner Bauunternehmung errichtet. Die Leistung der Anlage stieg wohl auf 1800 t Reinkaolin im Jahr, die Qualität des Reinkaolins blieh jedoch infolge der unzureichenden und unzweckmäßigen Schlämmeinrichtung auch weiterhin sehr schlecht. Die Rückstände an Sand und Schlicker häuften sich derart, daß die Baulichkeiten his zu den Fenstern überschwemmt waren.

Während des ersten Weltkrieges ruhten die Gewinnungsarbeiten auf Kaolin in Kriechbaum vollständig. Nach dem Umsturz stieß die Prager Montan A. G. die Anlagen im Mai 1920 an einen Wiener namens Kaufmann ab, der eine Genossen­schaft zu bilden versuchte, die das Unternehmen wieder aufrichten und die An­lagen in Betrieb nehmen sollte. Dies mißlang jedoch, da das Gesellschaftskapital sowie alle Vorräte aufgebraucht waren. Im März 1921 erwarb die Wienerberger Ziegelfabrik u. Bau-A. G., Wien, die Anlagen und errichtete unter Verwendung eines Teiles der vorhandenen Baulichkeiten sowie einiger Einrichtungen in Kriechbaum eine neue Schlämmanlage, die bei äußerst beträchtlichem Kosten­aufwand in ihrer Leistung jedoch völlig ungenügend und deshalb nur im Jahre 1924 und da nur im ganzen sechs Wochen lang in Betrieb war.

Während des Krieges 1914 bis 1918 hatten die Gewinnungsarbeiten in Kriech­baum, wie erwähnt, vollständig geruht. In den letzten Kriegs- und ersten Nach­kriegsjahren wurden jedoch von neuer Seite an neuen Stellen Bohrungen und Schürfarbeiten auf Kaolin ausgeführt, deren Anreger, Begründer und Leiter Dr. Rudolf Illner, der nachmalige Generaldirektor der im Jahre 1921 von ihm gegründetenKAMIG A. G., war. Ihm schwebte eine eigene Kaolingewinnung östlich der bisher bekannten Kaolinstellen zum Zwecke einer wirtschaftlichen Ei gen Versorgung Österreichs mit diesem vor allem für die heimische Papier­industrie wichtigen Rohstoffe vor. Seine Schürfungen waren von Erfolg be­gleitet, so daß 1922 dieKAMIG österreichische Kaolin- und Montan-Industrie, Wien, zunächst als GmbH., dann 1924 als A. G. gegründet werden konnte. Im Frühjahr 1924, nach Erbauung einer neuzeitlichen Kaolin-Aufbereitungs­anlage in Josefstal bei Schwertberg und einer vom Bergbau dahin führenden 3,7 km langen Seilbahn, eröffnete dieKAMIG A. G. in Kriechbaum den Betrieb zur tagbau- und tiefbaumäßigen Gewinnung des Rohkaolins. Dieser auf moderner Grundlage geführte Berghau hat sich von kleinen Anfängen heraus bis zu