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Franz Kirnbauer
Der veränderten Geschmacksrichtung wurde durch Ankauf von Kupferstichvorlagen zur Anregung der Maler und Bildhauer Rechnung getragen. Dann sah man sich nach Meißner Arbeitern um, die den Rokokostil beherrschten. Die unter Du Paquier gepflegte Schwarzlotmalerei kam auch jetzt noch vor, doch traten an Stelle der Laub- und Bandelwerkmotive Landschaften und sogenannte Mosaikmusterungen. Die Kopien ostasiatischer Vorbilder verschwanden allmählich. Die „Deutschen Blumen“ verloren den chinesischen Charakter und wurden naturalistischer behandelt sowie sorgfältiger ausgeführt. Die Einwirkung französischer Stichvorbilder dokumentierte sich in Szenen galanter Gesellschaften im Freien, die in Purpur und bunten Farben gemalt wurden. Statt der barocken Henkel und Griffe fanden sich jetzt naturalistische Gebilde, wie grünes Astwerk mit Blättern und bunten Blumen in Relief.
Im Jahre 1750 berief man den Meißner Modelleur Ludwig Lück, der in den zwei Jahren seiner Tätigkeit bestimmend auf die Entwicklung der Gefäßformen einwirkte, nach Wien. Zackige, geriffelte, meist mit Purpur erhöhte Rocaillen in Relief legten sich um die Ränder der Gefäße. Die Gesamtformen wurden bewegter, entsprechend dem muscheligen Charakter der Reliefauflagen.
Um die gleiche Zeit war auch der Meißner Maler Philipp Ernst Schindler in Wien tätig, auf den die feinen Figurenmalereien, Watteauszenen, Reitergefechte nach Rugendas, Schäfer- und Bauernbilder sowie Jagddarstellungen und Amoretten zurückzuführen sind.
Ende der Sechzigerjahre machte sich bereits der Einfluß von Sevres geltend. Service mit rundmaschigem Goldnetzwerk auf dunkelblauem Grund und farbigen Figurenbildern in weißen Reserven stammen aus jener Zeit. Die Wiener sogenannten Kaufrufe, Porzellanfiguren aus dem Volksleben darstellend, sind weiters für diese Zeit sehr kennzeichnend (Abb. 9 und 10).
Gegen Ende der Siebzigerjahre litt die Wiener Porzellanmanufaktur an Überproduktion und auch die künstlerische Leistung ließ zu wünschen übrig. 1788 wurde in der Wiener Zeitung öffentlich die Feilbietung ausgeschrieben, glücklicherweise ohne daß sich, trotz günstiger Bedingungen, ein Käufer oder auch nur ein Pächter gefunden hätte. Kaiser Joseph IT. entschied daher am 5. August 1784 wie folgt: „Wenn der Porzellanfabrik ein wahrer wirtschaftlicher Erfolg gegeben werden soll, so muß die Hofstelle sich in deren Verwaltung nicht im geringsten mengen, sondern es ist ein geschickter Mann auszuwählen, dem man ein paar Tausend Gulden Gage gibt und zehn Prozent von allem Gewinn und Ersparnis, welche er über die jetzigen Ausgaben machen kann,“ und weiter: „wenn man ihm freie Hand läßt, aufzunehmen und abzudanken, wen er will, auch zu erzeugen, was und wie er will, kann die Sache allein gehen.“
Die Manufaktur unter Baron Sorgenthal 1781—1805
Unter Sorgenthal, dem früheren Leiter der k. k. Wollerzeugung-Betriebe in Linz, der 1784 zum Direktor der Wiener Porzellanmanufaktur ernannt wurde, begann die zweite Blütezeit des Alt-Wiener Porzellans. Wiener Vasen mit Bildern nach dem Muster des Klassizismus, Schalen mit grotesken Ornamenten, mit Bil-