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Franz Kirnbauer
AVeltreisende um die Wende des 13. zum 14. Jahrhundert, hatte auf seiner Fahrt nach dem Fernen Osten köstliche Werke dieser Gattung kennengelernt. Er gab ihnen den Namen Porzellan, da ihm der Stoff, aus dem sie gemacht waren, ähnlich dem der Kaurischnecke erschien, die er, weil sie in der Form einem Schweinchen gleicht, nach dem Italienischen poreella nannte. AVenn auch die Legende annimmt, daß schon vor beinahe viertausend Jahren in China Yao-Porzellan bekannt gewesen sei, so kann man mit Sicherheit nur sagen, daß erst von der Wende des sechsten Jahrhunderts nach Christi an in China Porzellanmanufakturen existierten. Die Kostbarkeit des Materials wurde dem des hochgeschätzten Halbedelsteines Jade gleichgestellt und deshalb wurde es als „künstliche Jade“ bezeichnet. Selbst kleine Scherben, die damals nach Europa gebracht worden waren, wurden wie kostbare Edelsteine zu Schmuckstücken verarbeitet. Erst nach Entdeckung des Seeweges nach Indien kam Porzellan in größeren Mengen nach Europa. Aus märchenhafter Ferne stammend, war seine Herstellung von dunklen Geheimnissen umgeben und zahlreiche Schatzsucher und Phantasten versuchten, der Bereitung dieser Kostbarkeit auf die Spur zu kommen. Trotz dieser langen Bekanntschaft mußte das Porzellan in Europa wieder neu erfunden werden, was Johann Friedrich Böttger gelang, der im Jahre 1709 zu Meißen erst das rotbraune Steinzeug und bald darauf auch das weiße Porzellan erfand. In verhältnismäßig kurzer Zeit entwickelten sich dann die Manufakturen von Meißen, Wien, Sevres, Nymphenburg, Berlin usw. zu ihrer Berühmtheit.
AVährend das Wort „Yao" im Chinesischen gleichzeitig auch die generelle Bezeichnung für das Fabrikat und den Brennofen ist, heißt ein anderes Wort für Porzellan in China auch tse oder tse-ki, in der Mandschusprache yche. Das Wort der Chinesen für Porzellanerde „kao-ling” soll der Name eines Hügels sein, an dem zuerst die „AVeiße Erde“, der Kaolin, gewonnen wurde. Hochwertige Kaolinsorten führen deshalb heute noch die Handelsbezeichnung „China clay“. Die alte deutsche bergmännische Bezeichnung für Kaolin ist „Steinmark“, die schon Agricola 1557 gebraucht. Man erkennt in ihr deutlich Weichheit und AVeiße der Farbe. Aus dem Persischen nacre für Perlmutter stammt die Bezeichnung Nakrit, der Name eines weiteren Kaolinminerals.
Keramische Industrie
Die Geschichte der Auffindung und Verwendung des Kaolins kann von derjenigen des Tones nicht getrennt werden. Zudem ist die Geschichte des Kaolins auf das engste mit der Geschichte des Porzellans, wie bereits erwähnt, und zum Teil mit derjenigen der Papiererzeugung, aber auch der Kosmetik, verbunden.
Die Herstellung von Tongefäßen ist eine der ältesten Kunstfertigkeiten des Menschen. Zunächst formte er sich wohl Gefäße aus irgendwelchen ihm zur Hand liegenden plastischen Massen, die er an der Luft trocknen ließ. Bald aber dürfte er durch das Bestreben, die Gefäße künstlich zu trocknen, das Brennen derselben erlernt haben. Durch die Berührung des Tones mit der Holzasche stellte sich unwillkürlich Glasur ein, die dann zielbewußt weiter angewendet wurde.