Aufsatz 
Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur und ihre Beziehung zur Entwicklung der technischen Verwendung des Kaolins / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Franz Kirnbauer

Ganz die gleichen Vorgänge sehen wir ja übrigens auch heute noch hei den kul­turell niedrigst stehenden Völkern. Die Ägypter verfertigten bereits kunstvoll glasierte Steine und bunte Gefäße, hei den Assyrern finden wir farbige Mosaiken und Homeii schildert anschaulich die Tätigkeit des Töpfers. Später geriet aber diese Kunst vollständig in Vergessenheit, da sich die Griechen mit fortschreiten­der Kultur edleren Stoffen, wie Marmor, Alabaster und edlen Metallen, zu­wandten.

Bild 19. Wiener Porzellanfabrik Angarten.

Verarbeitung der Massekuchen auf der Schlagmaschine zwecks Homogenisierung. Photo: Bildarchiv Österr. Nationalbibliothek

Die keramische Industrie mußte somit im 8. Jahrhundert erst wieder von den Mauren, welche farbenprächtige Ziegel bei Errichtung ihrer Moscheen benutzten, nach Europa neu eingeführt werden. Auf der Insel Majorka wurde die Er­zeugung farbiger Gefäße und Ziegel derart verbessert, daß die Bezeichnung Majolika noch auf diesen Ursprungsort hindeutet. Im 16. Jahrhundert feierte dann die Majolika in Italien, Deutschland und Holland Triumphe, besonders in der Krug- und Ofenindustrie. England wurde dagegen erst im 18. Jahrhundert mit der Erfindung Wedge woods von diesem Aufschwung erreicht und erst durch die Einfuhr chinesischen Porzellans wurde wieder ein Niedergang dieser In­dustrie herbeigeführt.

Das Mutterland des Porzellans ist demnach China. Besonders im 17. und 18. Jahrhundert gelangte hier die Porzellankunst unter dem Kaiser Kang-Hsi