Aufsatz 
Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur und ihre Beziehung zur Entwicklung der technischen Verwendung des Kaolins / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Franz Kirnbauer

mäßig als Puder und Glättmittel verkauft. Auch die erste Anwendung des in Kriechbaum hei Schwertberg vorkommenden Kaolins zu Zwecken des Uniform­weißens sowie für Hafner- und Töpfereizwecke ist bekannt.

Entstehung des Kaolins

Zur Entstehung des Kaolins ist abschließend noch kurz zu sagen: Das Alter des gesamten Kosmos seit der Schöpfung kann auf rund 5 Milliarden Jahre geschätzt werden. Der Erdball, auf dem wir leben, weist ein Alter von etwa 2 bis 3 Milliarden Jahre auf. Der feurig-flüssige Gashall kühlte sich allmählich ah und es bildete sich eine feste Gesteinsoberfläche. Im Innern der Erde befindet sich aber heute noch ein flüssiger Glutschmelzfluß, wovon die Vulkane Zeugnis ab- legen. Vor vielen Millionen Jahren entstanden aus solchen glutflüssigen Schmelz­flüssen Gesteine, die Granit, Porphyr oder ähnlich, genannt werden und deren Kennzeichen ist, daß sie aus Feldspat, Quarz und Glimmer bestehen.

Durch Zersetzung solcher feldspathaltiger Gesteine sind nun K a o 1 in 1 ager- stätten gebildet worden. Die meisten auf der Welt bekannten Kaolinvorkom­men sind zu Beginn oder Mitte der Tertiärzeit entstanden, demnach vor einem Zeitraum von etwa 50 bis 40 Millionen Jahren. Die Zersetzung des Feldspates erfolgte entweder unter Mooren durch niedersickernde Wässer, die reich an Kohlensäure und humussauren Lösungen waren, oder durch Gase, die entlang von Spalten aus dem Erdinnern hochstiegen. So entstanden die meisten der bekannten Kaolinlagerstätten vor vielen Millionen Jahren an Ort und Stelle, geschützt durch ehemalige Meeresablagerungen, die sie vor Abschwemmung bewahrten. Doch gibt es auch umgelagerte Kaolinlagerstätten oder solche, die aus vulkanischen feld­spatreichen Aschen entstanden sind.

Wenn daher der Bergmann von heute, in der Grube vor Ort stehend, den Kaolin gewinnt, über sich die Hangend-Tone des einstigen Meeresbodens, so ist er sich wohl nur selten bewußt, daß er mit seiner Grubenlampe nicht nur den Ort seiner täglichen Arbeit und seines Broterwerbes, sondern auch zugleich ein unerhört großes geologisches Geschehen beleuchtet.

Durch sorgfältige Reinigungsprozesse wird der gewonnene Rohkaolin so auf­bereitet und veredelt, daß das Endprodukt, der Rein kaolin, wunderbar weiße, aus allerkleinsten Kristallschüppchen bestehende weiche Massen bildet. Der che­mischen Zusammensetzung nach ist der Kaolin als ein wasserhaltiges Aluminium­silikat, chemisch schematisiert von der Formel A1 2 0 8 .2 Si0 2 .2 H 2 0 anzusprechen.

In Österreich wird derzeit an vier Örtlichkeiten Kaolin bergmännisch gewon­nen: In Kriechbaum bei Schwertberg und Weinzderl durch die Kamig A. G., in Mall er sb ach durch die Mineral-Verwertungsgesellschaft mbH. und in Ausschlag-Zobern durch die Aspanger Kaolin- und Steinwerke A. G. Der Schwertberger Kaolin wird hauptsächlich keramisch und als Füllstoff, der Maliers­bacher in der Keram- und Feuerfest-Industrie, der Aspanger Kaolin, minera­logisch von anderer Zusammensetzung als oben angegeben, als Füllstoff in ver­schiedenen Industrien verwendet.