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Hedwig Gollob
rücksichtlich seiner mühevollen und wohl gelungenen Ausarbeitung die vollste Anerkennung aus und rechnet auf dessen Geneigtheit, den Bau von Zeit zu Zeit persönlich zu besichtigen und hievon der Dikasterial-Gebäude-Direktion als Bauleitung seinen bewährten Rat angedeihen zu lassen (Wien am 9. August 1844).“ Die Baulichkeiten für das sogenannte kleine Bankogebäude wurden vorläufig verschoben und erst am 3. November 1855 erfahren wir, daß „der Bankgouverneur J. Pihsnitz dem J. Stummer für das Gutachten über die vorgelegten Projekte des neuen Bankgebäudes an der TRAUNschen Grundfläche in der Herrengasse“ dankt. 12 Das neue Bankgebäude sollte Ferstels Geschick für seine Lauf-
Bild 6. Das FERSTELsche Bankgebäude in der Herrengasse Archiv der Stadt Wien (Rathaus)
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bahn entscheiden. Dennoch gab man Stummer die Aufgabe der organisatorischen Revision der eingereichten Pläne. Dieses verständnisvolle Zusammenarbeiten Stummers mit den Baumeistern der Wiener Romantik erreichte das äußerst günstige Resultat, daß der Drang der Romantiker nach rein künstlerischer Konzeption durch Stummer im Rahmen der technischen Organisation des Baues gehalten wurde. Es ist dies eine damalige Stellung Stummers, welche sich bei einigen Bauten Wiens erweist. Dieses Eingreifen des technisch-organisatorischen Fortschrittes in den rein formalen Arbeitsbereich der österreichischen Romantik gereichte dieser sicherlich zum Vorteil. In jenem oben zitierten Akte vom November 1855 heißt es auch ausdrücklich „Seine Excellenz der Herr Bankgouverneur Josef Pihsnitz dankt dem Professor Joseph Stummer für die Sorgfalt und das mühevolle Eindringen in Einzelheiten der Bedürfnisse der Anstalt, mit welcher das abgegebene Gutachten über die vorgelegenen Projekte des neuen Bankgebäudes verfaßt wurde. Seine Excellenz spricht zugleich die achtungsvollste Anerkennung für das aus, was in dem Gutachten so kunstgerecht und takt-
12 STUMMER-Archiv.