Otto Kunze: Teehniscli-wissenscliaftliehe Institutionen.
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Eismaschine, welche die heutige Kältetechnik beherrscht, wurde in Österreich im Jahre 1877 aufgestellt; von dieser Maschine ging die Entwicklung der Linde-Eismaschinen aus. In der Siedesalzerzeugung kann Österreich darauf hin weisen, daß das Abdampfverfahren mit Wiederbenutzung der im Dampfe gebundenen Wärme von P. Rittinger in Wien stammt. Dr. K. Kellner in Wien hat sich durch seine elektrolytischen Verfahren der Chloralkalien ein besonderes Verdienst um die Entwicklung der Elektrochemie erworben. Die Zündholzerzeugung wurde in Österreich von Stephan Römer durch eine Verbesserung des Tunkzündholzes, von Preshel (Einführung des Dextrins) und Weilhöfer (Zündholzhobel) und besonders durch die Entdeckung des amorphen (roten) Phosphors von Dr. A. Schrötter gefördert. Um das Jahr 1900 wurde in Österreich die erste europäische Zündholzautomatmaschine von F. Czerweny konstruiert, welche die Zündholzdrähte einlegte, paraffinierte, den Zündholzkopf tunkte und trocknete und die fertigen Zündhölzer wieder auslegte. Die Maschinen werden heute noch in Österreich von der Firma J. M. Voith in St. Pölten gebaut und gehen in die Zündholzfabriken der ganzen Welt.
Hatte Wien in der Kohlenentgasung durch die erste öffentliche Leuchtgasanlage am europäischen Eestlande durch J. Prechtl im Jahre 1818 schon einen Vorsprung errungen, so hat es diesen durch die Erfindungen von Prof.- E. Strache über die Kohlenvergasung erhalten und vergrößert.
Die Beleuchtungstechnik verdankt dem Österreicher Dr. Karl Auer v. Welsbach ihre größten Fortschritte durch die Erfindung des Gasglühlichtes, der elektrischen Metallfadenlampe und des Cereisenfeuerzeuges.
Karl Auer v. Welsbach ist durch diese Erfolge der größte Erfinder Österreichs geworden. In ihm verehrt Österreich das Vorbild der bedeutenden Techniker unserer Zeit, die über die wissenschaftliche Forschung zu ihren Goßleistungen im Dienste der menschlichen Kultur gelangen. Die vielen Auszeichnungen von Wissenschaft und Praxis des In- und Auslandes haben Auer in die Reihe jener Männer gestellt, deren Namen unauslöschlich in die Geschichte der Technik eingetragen sind.
Technisch-wissenschaftliche Institutionen.
Von
Sektionschef a. D. Ing. Otto Kunze, Wien.
Die Hochschulen technischer Richtung hatten sich in Österreich von ihrer Entstehung an nicht in einer Angliederung an die Universitäten entwickelt, sondern als selbständige Lehranstalten für die wichtigsten Hauptrichtungen der technischen Berufe. In den letzten 50 Jahren vollzog sich ihre Entwicklung auf der im Jahre 1872 unter Aufrechterhaltung der Lehr- und Lernfreiheit geschaffenen neuen Organisation, die im Jahre 1878 durch die Einführung der Staatsprüfungen ergänzt worden war. Die wesentlichsten Kennzeichen dieser Entwicklung sind die Gliederung der einzelnen Hochschulen nach den aus der technischen Praxis sich ergebenden Fachrichtungen, ferner ihre Ausstattung mit modern eingerichteten