Aufsatz 
Österreich als Ingenieurland
Entstehung
Seite
60
Einzelbild herunterladen

60

Otto Kunze

Lehrwerkstätten, Laboratorien und Versuchsanstalten und schließlich die fort­schreitende Angleichung in ihrer Geltung an die Universitäten. In letzterer Hinsicht sind hervorzuheben das ihnen im Jahre 1901 durch die Einführung des Doktorates der technischen Wissenschaften (Dr. techn.) eingeräumte Promotionsrecht, dann die Verleihung des TitelsMagnifizenz an die Rektoren (1904) sowie deren Berechti­gung zum Tragen der Ehrenkette und endlich die Bezeichnung der einzelnen Fach- abteilungen alsFakultäten (1928).

Von den Hochschulen technischer Richtung der ehemaligen Monarchie sind durch den Friedensvertrag von St. Germain die folgenden in Wegfall gekommen: Die im Jahre 1806 als erste Anstalt dieser Art von Franz Josef Gerstner als Polytechnisches Institut organisierte deutsche Techn. Hochschule in Prag, dann die Techn. Hochschulen in Brünn (deutsch und tschechisch), Prag (tschechisch), Lemberg (polnisch) und die in der alten Bergstadt Pribram in Böhmen befind­liche Bergakademie.

In der Republik Österreich verblieben nach dem Kriegsende als Unterrichts­anstalten in staatlicher Verwaltung:

Die Techn. Hochschule in Wien, die unter Kaiser Franz I. im Jahre 1815 als Polytechnisches Institut gegründet und von Johann Josef Prechtl organisiert wurde; sie besteht aus fünf Fakultäten: a) für die Fächer des Bauingenieurw r esens, b) für Architektur und Hochbau, c) für das Maschinenwesen mit Abteilungen für Maschinenbau, für Elektrotechnik (mit einem eigenen Elektrotechnischen Institut) sowie für Schiffs- und Schiffsmaschinenbau, d) für das chemische Fach mit Abteilun­gen für technische Chemie, für Feuerungs- und Gastechnik und e) für angewandte Mathematik und Physik mit Abteilungen für technische Physik, für Vermessungs­wesen und für Versicherungstechnik. Die durchschnittliche Hörerzahl bewegt sich um 3000, überschritt aber in den ersten Nachkriegsjahren sogar die Zahl 5000, darunter mehr als 1300 Ausländer.

Die Techn. Hochschule in Graz ist aus dem im Jahre 1811 von Erzherzog Johann als Museum für Physik, Chemie, Ökonomie und Technologie gegründeten Joanneum hervorgegangen und besitzt eine ähnliche Organisation und Gliederung wie die Techn. Hochschule in Wien; in den letzten Jahren wurde sie durch Aus­führung von umfangreichen Neubauten für Laboratorien, Versuchsanstalten u. dgl. wesentlich erweitert. Ihre Hörerzahl schwankt zwischen 900 und 1200.

Die Hochschule für Bodenkultur in Wien wurde im Jahre 1872 als landwirtschaftliche Hochschule gegründet und im Jahre 1875 durch Ein­beziehung der in Mariabrunn bestandenen Forstakademie erweitert; im Jahre 1883 wurde ihr eine kulturtechnische Fakultät angegliedert. Die Hörerzahl schwankt zwischen 400 und 500, erreichte aber in den ersten Nachkriegsjahren die Zahl 2000.

Die Montanistische Hochschule in Leoben entstand aus der im Jahre 1840 in Vordernberg gegründeten, im Jahre 1849 nach Leoben verlegten Steiermärki­schen Berg- und Hüttenmännischen Lehranstalt. Sie umfaßt drei Fakultäten, und zwar für Bergwesen und für Hüttenwesen (je acht Semester) und seit 1919 auch für Markscheidewesen (sechs Semester). Die Hörerzahl bewegt sich um 300, überschritt aber in den ersten Nachkriegsjahren das Doppelte dieser Zahl.