Der Geistschacht am Röhrerbühel in Tirol.
89
Ausbruch des Weltkrieges waren Bestrebungen im Gange, die Röhrerbüheler Gruben neu zu erschließen, doch fanden diese Arbeiten leider infolge der politischen Ereignisse ein frühzeitiges Ende. Ob die Wiedererschließung einer späteren Zeit Vorbehalten sein mag, liegt außerhalb des Rahmens dieser Betrachtung; mit Sicherheit aber kann gesagt werden, daß nicht der Erz mangel die Schuld an dem Versiegen der bergbaulichen Tätigkeit an dieser einst so segensreichen Stätte gewesen ist.
Ein Vergleich der Schicksale der Röhrerbüheler und der Gruben von Schwaz in Tirol liegt auf der Hand: beide bedeuten für das Land eine Zeit ungewöhnlichen wirtschaftlichen Hochstandes und hoher Betriebsamkeit. Während aber der Schwazer Bergbau uns einen Spiegel der zeitgenössischen Geschichte des Landes durch Jahrhunderte darstellt, in dem alle großen Ereignisse, die über dasselbe hinweggegangen sind, ihr bilderreiches Widerspiel gefunden haben — Glaubensspaltung, Reformation und Gegenreformation, der Einfall der Schmalkalden, soziale Kämpfe und Aufstände —, so sehen wir am Röhrerbühel die Geschichte seines Hochglanzes zusammengedrängt auf die kurze Zeitspanne von kaum neunzig Jahren. Eine ungewöhnlich hoch entwickelte bergmännische Technik tritt gleich zu Beginn der Ausbeutung der Gruben an den Bergbau heran und führt ihn in wenigen Jahren auf die Höhen technischer Vollendung und blendender Wirtschaftlichkeit ; mit Tiefen von 8 bis 900 Meter erreicht derselbe einen erst in jüngster Zeit gebrochenen Weltrekord. Aber nur von kurzer Dauer ist die Zeit der Blüte, jäher Verfall folgt ihr unvermittelt und in einem knappen Jahrhundert versinkt der Grubenbetrieb in völlige Bedeutungslosigkeit.
Als hätte die gütige Fee, die dort still und segensreich gewaltet, sich träumend in den Schleier gehüllt und schliefe in den unergründeten Tiefen ihres Märchenreiches.
Literaturverzeichnis.
(Erhebt auf Vollständigkeit keinen Anspruch.)
Etteniiards Bergbuch 1556. (Schwazer Bergwerksbuch.)
Dionys Helfer, Bergbericht aus dem Jahre 1617.
Burglechner, Tiroler Adler, 1618, 1., 3. und 4. Bd.
Sperges, Tyrolische Bergwerksgeschichte, 1765.
Bericht der Hofkommission betreffend die Auflassung der Grubenbaue. Explikation der Nummern der SENNiiOFERschen Karte vom Jahre 1774.
Senger F. v., Das verlassene Bergwerk am Röhrerbühel. Beiträge zur Geschichte, Statistik, Naturkunde und Kunst in Tirol und Vorarlberg, 1. Bd., Innsbruck 1825, S. 247 bis 280.
Friese, Über die Tiefe der Schächte des verlassenen Bergbaues am Röhrerbühel. 1856.
Trinker, Der Tiefbau am Röhrerbühel. Österr. Berg- u. Hüttenmännische Zeitschrift 1856.
Haupt, Erzformation am Röhrerbühel. Freiberger Berg- und Hüttenzeitung 1862, S. 385.