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Guido Hkadil
zuführen ist, die auch zu der Zeit, wo die Grube den größten Ertrag abwarf, mit Hilfsgeldern betrieben wurden. Die in den Halden Vorgefundenen Erze beweisen, daß geringere Anbrüche gar nicht beachtet wurden oder die Erzscheidung sehr nachlässig betrieben wurde. Diese Unzukömmlichkeiten und der Umstand, daß in der nächsten Nachbarschaft vom Röhrerbühel andere Berghaue aufblühten, wie Sinnwell, Schattherg, Wildalpe u. a., dürften mit die Vernachlässigung und endgültige Stillegung des Bergbaues am Röhrerbühel herbeigeführt haben.
Bei Betrachtung der alten Grubenkarten fällt auf, daß bei einigen Schächten die Hauptläufe mit ungleichen Abständen angelegt sind; während die meisten Strecken (Sohlen) in Zwischenräumen von 20 bis 45 Lachter untereinander liegen, stehen beim Fund- und Reinankenschacht die tieferen Läufe 50 bis 107 Lachter voneinander ab. Diese Unregelmäßigkeit ist nur durch die Absicht zu erklären, an Häuer- und Förderungskosten zu ersparen, da die Strecken auch zum Teil durch taube Gangmittel zu treiben waren und die Querschläge mit der Teufe der Schächte an Länge zunehmen mußten, um den Lagerzug zu erreichen.
Nach Schmidts Ansicht wäre der Röhrerbühel am zweckmäßigsten auf folgende Art wieder zu erschließen:
Zwischen dem Fund- und Geisterschacht wäre im Hangenden des Erzlagerzuges ein Saigerschacht abzuteufen und von diesem aus in Abständen von 20 oder 30 Klaftern Hangendquerschläge zu treiben; auch wäre mit einem Liegend- Querschlag die Münzerkluft aufzusuchen.
Die ScHMiDTsche Arbeit enthält u. a. sehr wertvolle Zusammenfassungen über die Ergiebigkeit des Röhrerbüheler Bergbaues in den verschiedenen Arbeitsepochen. Der erste Abschnitt eines geregelten Betriebes fällt in die 25 Jahre von 1545 bis 1570, in welchen die vier morgenseitigen Richtschächte Daniel (Goldrosen), Geist (Nothburga), Fund (Michael) und Gsöllenbau bis auf 380 Klafter und die abend- seitigen Schächte Ruedlwald, Rainachen und die beiden Fuggerschächte auf 200 Klafter niedergebracht wurden. Diese Zeit war die ergiebigste der ganzen Betriebsdauer. Nach einer Bittschrift der Gewerken vom Jahre 1596 sind von 1550 bis 1570 mehrmals 20000 Mark Silber und darüber und bis zu 10000 Zentner Kupfer jährlich erzeugt worden. Von ziffermäßigen Nachweisungen ist nur eine einzige vom Jahre 1561 vorhanden, nach welcher der Geistbau allein mit 15000 Zentnern Stuf- und Brucherzen und 1700 Zentnern Kiesen angeführt ist, was einer Silberausbeute von 20000 Gulden entspricht. Nach 11 aus den 17 Jahren von 1570 bis 1586 vorliegenden Nachweisungen wurden nur noch 4000 Mark Silber und ebensoviel Zentner Kupfer in Stuf- und Brucherzen, Kiesen, Haldenerzen und Schlichen gewonnen; in den späteren 10 Jahren war die Erzeugung nahezu dieselbe.
In dem Zeitabschnitt seit der Stillegung des Grubenbetriebes bis heute hat es an wiederholten Versuchen nicht gefehlt, dieses alte, einst so ergiebige Bergwerk wieder neu zu erschließen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der alte Fuggerstollen gewältigt und mehrere neue Schurfbaue betrieben, doch ohne einen günstigen Erfolg. Am 17. August 1850 wurde unw-eit des Reinachenschachtes ein Stollen ausgeschlagen, mit dem man Erze angefahren hat. Dieser Stollen sollte bis zum Goldenen Rosenschacht geführt werden, wurde aber von der Berg Verwaltung Kitzbühel aus kleinlichen Ersparungsrücksichten vorzeitig eingestellt. Auch in den Jahren vor