Der Geistschacht am Röhrerbühel in Tirol.
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Nach der Auflassung wurde der Bergbau von der Hofkommission einer aus 40 Personen bestehenden Gewerkschaft, worunter größtenteils frühere Arbeiter waren, übergeben. Diese Selbstlöhnergewerkschaft arbeitete im Röhrerbühel noch 10 Jahre lang. Sie machte in den ersten Jahren einen großen Gewann; man arbeitete nach altem Brauch nur einige Tage in der Woche und widmete die übrige Zeit der Haus- und Feldarbeit. Aus einer Aufschreibung vom Jahre 1675 ist zu ersehen, daß an einem Querbau ein Mann in der Schicht nur zwei Zoll Loch gebohrt und 4 Mann nur 1 / 4 Klafter im weichen Tonschiefergebirge ausgeschlagen haben. Die Erhaltung der Zimmerung wurde auf das Allernotwendigste beschränkt, das Wasserheben entweder vernachlässigt oder ganz unterlassen, so daß die Arbeiter allmählich aus den tieferen Orten verdrängt wurden. Auf diese Weise mußten manche Erzanstände in der Grube Zurückbleiben. Oft soll es vorgekommen sein, daß die Arbeiter die am vorhergegangenen Tage verlassenen Erze wegen zugesessener Wasser nicht mehr erreichen konnten, was die Arbeiter jedoch um so weniger bekümmerte, als durch die Auskuttung der großen reichen Halden der Unterhalt für ihre ganze Lebenszeit gesichert w r ar. Durch die Vernachlässigung der Grubenzimmerung und der Wasserhaltung ging natürlich ein Bau nach dem anderen nieder, das Wasser stieg immer höher, bis endlich die ganze Grube ersäuft war und gänzlich verlassen werden mußte.
Die Haldenkuttung war schon im Jahre 1597 im Betriebe und wurde bis zum Jahre 1866 fortgesetzt. Sämtliche Halden sind mehrmals überkuttet worden. Nachdem schon durch 40 Jahre die Haldenkuttung betrieben worden war (der Gewinn betrug in der Schicht nur 12 bis 15 Kreuzer), waren noch in den Jahren 1840 bis 1843 zeitweilig 20 bis 30 Arbeiter mit dieser Nachlese beschäftigt. In diesen vier Jahren wurden im ganzen 1,052 Zentner 85 Pfund nur durch Handarbeit aufbereitete schmelzwürdige Erze nach Brixlegg geliefert. Erst im Jahre 1866 wurden die Halden als erschöpft betrachtet und die Kutterarbeiten eingestellt. Im ganzen dürften aus den Halden in 60 Jahren wenigstens 30000 Zentner gutes Erz gewonnen worden sein; es muß demnach in den früheren Zeiten beim Röhrerbülieler Bergbaubetrieb eine heillose Unwirtschaft bestanden haben.
Bei kritischer Betrachtung des von HECHENGARTNERschen Kommissions- protokolles lassen sich folgende Feststellungen machen: Der Erzmangel oder die Einbuße an Erz kann nicht die alleinige Ursache der Betriebseinstellung gewesen sein, es scheint vielmehr das Zusammenspiel zahlreicher anderer Gründe hiefür verantwortlich zu sein. Der ganze Bau stand in Zimmerung, der Zudrang der Wasser nach der Teufe wurde immer größer und konnte mir schwer bewältigt werden; schlechte Wetter (Schlagwetter, Kohlensäure und Schwefelwasserstoff) gaben Anlaß zu großen Schwierigkeiten, die Fahrung und Förderung war sehr beschwerlich und gefährlich; die politischen Verhältnisse, so besonders die Religionsstreitigkeiten, brachten viel Unheil über das Land, von dem auch der Bergbau nicht verschont blieb. Allein alles das konnte die Einstellung des ganzen Baues noch nicht recht- fertigen, es müssen noch andere Übel bestanden haben, die man nicht beseitigen konnte oder wollte. Die zahlreichen gleichzeitig offen gehaltenen Strecken verraten einen ungeregelten Betrieb, die Wasserhaltungsmaschinen waren sehr primitiv, die sechsstündige Arbeitszeit war kürzer als in den anderen tirolischen Bergbaubetrieben. Die Arbeitsleistung muß gering gewesen sein, was auf die vielen Zechenorte zurück-