Altösterreichische Münzstätten.
Von
Prof. Dr. August Loehr, Direktor des Münzkabinetts im Kunsthistorischen
Museum in Wien.
Mit 7 Abbildungen.
Die technische Vollkommenheit der österreichischen Münzgepräge ist weltbekannt, die Höhe der Prägeleistungen ist begründet in einer jahrhundertelangen Entwicklung des Münzwesens in Österreich, in erster Linie in Wien.
Schon in frühgeschichtlicher Zeit wurden in unseren Ländern Münzen erzeugt, und zwar zunächst als zum Teile recht unvollkommene Nachbildungen vorzüglicher griechischer Gepräge, sogenannter Barbarenmünzen. Auch diese Nachahmungen sind in technischer Hinsicht von Interesse. Es ist bis in die letzte Zeit die Frage der Herstellung erörtert worden, da außerordentlich vieles völlig unklar w r ar und bleibt, so vor allem, wie die Schrötlinge hergestellt wurden und ob das Relief der Münze durch Guß oder Prägung erzielt wurde. -Zur Lösung solcher Fragen sind in der letzten Zeit erfolgreiche Versuche in Berlin angestellt w'orden, besonders hinsichtlich der sogenannten plattierten Münzen. Schon etwas.früher hat das Münzkabinett in Wien das metallographische Institut der Wiener Technischen Hochschule gebeten, Untersuchungen solcher Münzen vorzunehmen. Es wurde dann eine Keltenmünze, eine Nachahmung pannonischen Stils, einer Tetradrachme Philipp II. von Macedonien angeschliffen, poliert und geätzt und dann die metallographische Schliffprobe unter dem Mikroskop untersucht. Dr. Scheu war in der Lage, zunächst als Befund festzustellen: Gleichmäßige Kristallite mit Zwillingsstreifen, keinerlei Eließlinien, keine Gußstruktur.
Zu Vergleichszwecken wurden dann zunächst mit gütiger Erlaubnis des Direktors des Münzamtes, Hofrat Ing. Koch, Silberschrötlinge gegossen, und zw r ar aus verschiedenen Legierungen in geschlossener Metallform und in freier Luft auf einem Tonscherben; hierauf wurden die so gewonnenen Schrötlinge heiß und kalt geprägt, und zwar bei natürlicher Abkühlung und nach dem Abschrecken im kalten Wasser. Von den Schrötlingen entsprachen nicht die in der Form, sondern nur die auf Ton in freier Luft gegossenen. Nur diese letzteren zeigten äußere Ähnlichkeit mit den Keltenmünzen und besonders auch das Einsinken in der Mitte.
Von all den zahlreichen durch Monate hindurch vorgenommenen Versuchen ergab lediglich die Methode des Gießens und Heißprägens der Schrötlinge ein der untersuchten Keltenmünze einigermaßen ähnliches Gefüge mit Zwillingsstreifen. Bloß gegossene Schrötlinge zeigten typische Gußstruktur.
Es kann also aus diesen Versuchen mit einiger Sicherheit und in Übereinstimmung mit den Berliner Ergebnissen die Herstellung der Schrötlinge für diese sogenannten Barbarenmünzen durch Guß in freier Luft und durch darauf folgende Beprägung in heißem Zustande angenommen werden. Allerdings wird als Voraussetzung zu gelten haben, daß die Münzen nicht durch Einwirkung von Feuer verändert wmrden. Ob und inwieweit der lange Zeitverlauf von 2000 Jahren die Struktur des Silbers allenfalls verändern kann, ist völlig unbekannt.