Aufsatz 
Altösterreichische Münzstätten / von August Loehr
Entstehung
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August Loehr

Es ist wohl allgemein bekannt, daß in der Babenbergerzeit, noch vor der Mitte des 12. Jahrhunderts, in Österreich, von Regensburg beeinflußt, ein eigener Münzumlauf und eigene Münzstätten bestanden. Ganz besonders die Münzstätte Wien hat bald einen überragenden Rang erhalten und ihre Erzeugnisse, die Wiener Pfennige, sind seit dem 13. Jahrhundert nicht bloß in Österreich, sondern auch weit in den Nachbarländern die maßgebenden Münzen gewesen. Auch über die technischen und finanziellen Einrichtungen der Münze Wien sind wir durch aus­gezeichnete schriftliche Überlieferung des späteren Mittelalters im Münzbuch des Albrecht von Ebersdorf vorzüglich unterrichtet. So bekannt aber dieser Umlauf

der Wiener Pfennige ist, so wenig bekannt dürfte die Tatsache sein, daß selbst im 13. Jahrhundert mit seiner fortgeschrittenen Geldwirt­schaft außer den Münzen noch ein Umlauf an Barrengeld bestand. Solche Barren hat es in vielen Län­dern gegeben, in besonders ausgebil­deten Systemen in Rußland, dann in Nordwestdeutschland, wo maß­gebende Handelsstädte, um sich vor Schädigung durch fortwährend entwertetes Kleingeld zu schützen, in großem Maße und nach gemein­samen Normen Silberbarren, mit ihren Zeichen versehen, in Um­lauf brachten. Generationen weiter zurück liegt das Vorkommen von Barren im deut­schen Südosten. Ihre Verwendung ist aus den Reiserechnungen des Bischofs Wolfker von Passau (1191 bis 1204) bekannt. Der Reisende führte Silberbarren mit sich, von denen jeweils kleine Stücke abgeschlagen und gegen die in den betreffenden Territo­rien umlaufenden Silberpfennige umgetauscht wurden. Dieser Wechsel vollzog sich je­weils beim Übergang von einem Münzgebiet ins andere. Schon früher war bekannt, daß in Münzfunden in Südostdeutschland auch Silberbarren vorgekommen waren, so z. B. in einem großen bei Reichenhall gehobenen Schatzfund. Da diese Barren aber wenig Interesse und Beachtung fanden, wurden sie in der Regel eingeschmolzen. Nur wenig hat sich erhalten, so z. B. ein ungewöhnlich großes, fast 2 kg schweres Stück aus Regensburg im Berliner Münzkabinett. Nun kam vor etwa 30 Jahren ein ungefähr 200 g schwerer Gußkönig in einem Münzfunde bei Golling zutage. Und dieses Stück konnte dann 1915 für das Münzkabinett erworben werden. Zu Ostern 1930 wurde bei Spittal a. d. Drau ein sehr großer Fund Friesacher Münzen gehoben, der drei solcher voneinander differierender Silberbarren enthielt. Auch diese Barren konnten gerettet und unter die Museen von Wien, Klagenfurt und Villach aufgeteilt werden. So ist allmählich an russischen, nordwest- und südost­deutschen Barren eine solche Anzahl der Wissenschaft zugänglich geworden, daß man an eine metallographische Untersuchung schreiten konnte. Auch in dieser Hinsicht hat das Wiener Münzkabinett an der Technischen Hochschule bei den

Abb. 1

Abb. 2.

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Silberbarren, Funde von Gschieß, 1230.