Aufsatz 
Altösterreichische Münzstätten / von August Loehr
Entstehung
Seite
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Altösterreichische Münzstätten.

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Herren Dr. Scheu und Christoph Hilfe gefunden. Es sind zu wiederholten Malen die in Wien befindlichen und von auswärts aus der Sammlung des Herzogs von Braunschweig in Gmunden entlehnten sowie anderweitig erreichbare Barren unter­sucht worden. Es konnte ohneweiteres festgestellt werden, daß verschiedene dieser Barren in einer eigenen Metallform mit großer Routine hergestellt wurden, so z. B. russische. Auch die niedersächsischen weisen überwiegend große Übung und Ge­schicklichkeit nach. Die südostdeutschen sind ihrem zeitlich früheren Vorkommen entsprechend nicht so vollkommen. Die Untersuchung ergab als Regel die Her­stellung in einer runden Form, wahrscheinlich aus Ton. Diese Form war sicher nicht vorgewärmt; dadurch und durch die Aufnahme von Sauerstoff erklären sich die zahlreichen Poren und mitunter sehr großen Löcher auf der Unterseite. Der­artigen Löchern entsprechen auf der Oberfläche Quellerscheinungen. Für den Guß in kalter Form sprechen ebenfalls mitunter vorkommende erstarrte wellenartige Linien. Die genaue Beobachtung der Oberflächen von Teilstücken der Barren er­möglichte bereits die Feststellung der Zusammengehörigkeit solcher Bruch- oder Hacksilberstücke, so ganz besonders interessant in Beständen des Budapester Kabinetts, wo der Berichterstatter das Zusammengehören dreier Stücke demon­strieren und sie als dreiviertel eines Gußkönigs erklären konnte. Eine weitere wichtige Feststellung ergab sich für den Vorgang bei der Teilung solcher Barren, die für kleinere Zahlungen unerläßlich war. Es war, wie an zahlreichen Stücken nachzuweisen ist, üblich, mit einem Meißel bis etwa zur Hälfte der Dicke einzu­schlagen und dann die Stücke auseinanderzubrechen. Die Untersuchung des größten der drei neuen Barren aus Kärnten im Gewicht von mehr als 300 g ergibt die Ver­mutung, daß das ganze Stück etwa fünf- bis sechsmal so groß gewesen und daher etwa ebensoviel gewogen haben muß wie das früher erwähnte größte aller bisher bekannten Barrenstücke aus Regensburg, dem es auch in der äußeren Mache ähnelt. Es ist nicht uninteressant festzustellen, daß die beiden übrigen Barren aus dem gleichen Funde sich von diesem ersteren nicht bloß im Feingehalt, sondern auch in der Porosität der Oberfläche und ähnlichem stark unterscheiden. Von diesen beiden ist wieder das eine in einer Form hergestellt, während das andere durch seine Flachheit von allen übrigen bisher bekannten Barren sich stark unterscheidet. Also auch für den mittelalterlichen Geldumlauf ist das, was in Österreich Brauch war, von Interesse und auch hiefür ist die Zusammenarbeit von Numismatik und Technik eine notwendige Voraussetzung für das Erreichen von Ergebnissen.

Es ist schon erwähnt worden, daß bereits das Mittelalter in Österreich einen Münzumlauf kannte, der über die Landesgrenzen hinaus von Bedeutung w^ar. Der Übergang zur Neuzeit brachte dann zum überhaupt erstenmal in der Weltgeschichte die große Silbermünze durch die Reformen und die reiche Prägetätigkeit Erzherzog Sigismunds von Tirol, dann Max I. und Ferdinands I. in ihren altererbten und neuerworbenen Ländern. Sicher nicht unbekannt sind die Gepräge aus der alten ungarischen Münzstätte Kremnitz, der Heimat des ungarischen Dukaten, aus dem erzgebirgischen Joachimstal, wo vor den Habsburgern die Grafen von Schlick eine große Silbermünze geprägt haben, die mit ihrer HerkunftsbezeichnungJoa­chimstaler den weltbekannten Münznamen Taler und Dollar entstehen ließ. Von ganz großer Bedeutung waren als Münzstätten Wien und Hall in Tirol gerade