Aufsatz 
Altösterreichische Münzstätten / von August Loehr
Entstehung
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August Loehr

diese letztere, die Heimat und Anwendungsstätte hervorragender technischer Reformen im Münzw'esen. Der Gelehrte Pighius schildert in der 1609 erschienenen Beschreibung der Reise, die er als Begleiter des Herzogs Karl von Cleve mit diesem unternommen hat, die Einrichtung dieser Münzstätte und betont, daß dort die Münzen nicht mehr gegossen oder mit Hämmern geprägt, sondern durch Pressen gedruckt werden. Ein Wasserrad setzt die Maschinen in Bewegung, dieses treibt mehrere Zahnräder, die untereinander verbunden sind. Durch die letzteren wieder

werden zwei stählerne miteinander verbundene Walzen in Drehung versetzt. Die eine ist der anderen übergelagert, sie bewegen sich in entgegengesetzter Richtung zu­einander. In diese Walzen ist die Zeichnung der Münze eingegraben in der Zahl, die der Umfang des Zylinders erlaubt. Auf dem oberen Zylinder sind die Bilder der Fürsten mit dem Titel, auf den unteren Wappen der Fürsten oder andere Embleme oder Jahreszahlen. Die Verbindung der Zylinder ist eine so genaue, daß die Gravierungen sich vollkommen während der Um­drehung entsprechen und die Mün­zen beiderseits fertig aus der Maschine hervorgehen. Es hat dort der Münzmeister nichts anderes zu tun, als die Metallstreifen, die schon genau vorgewogen und dann in der Größe vorbereitet sind, zwischen die Zylinder zu bringen. Nun erfassen die Walzen mit ihren Gravierungen gleich Zähnen das Blech, ziehen es an sich, verschlucken es ganz, stoßen auf der anderen Seite die geprägten Münzen und überschüssigen Metallteile hervor und lassen sie in eine Schüssel fallen. Bei der Besichtigung dieser Einrichtung hat der Herzog sich daran ergötzt, selbst Gold­zaine in die Walzen zu schieben und in kürzester Zeit 10 oder 12 tadellose Münzen herzustellen. Pighius erw r ähnt, daß auch Frauen zu gewissen, auch schweren Arbeiten verwendet werden, sie bewegen den Blasebalg und besorgen das Feuer der Schmelz­öfen. Auch bei diesem, der eigentlichen Prägung vorangehenden Prozeß ist eine große Vereinfachung erreicht. In großen Kesseln wird das Metall geschmolzen und die Legierung beigesetzt, das noch flüssige Metall in eiserne Gießbögen gegossen, zu langen Stangen geformt, die unter von Wasser getriebene Hämmer gebracht und zur erforderlichen Dicke und Breite geschlagen werden. Die Münzprägung ist mit so großer Vollkommenheit durchgeführt, daß die nachträgliche Überprüfung durch Abwiegen wenig Mühe macht.

Diese Schilderung der in Hall seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts üblichen Münzw'eise ist die ganz genaue Beschreibung des sogenannten Münz walz-

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Abb. 5. Abb. 3. ^ Abb. 4. J

Abb. 3: Die älteste große SilbermünzeUnzialis" des Erzherzogs Sigismund, Hall 1484.

Abb. 4: Schlicktaler.

Abb. 5: Maria Theresienthaler, 1780. l / 4 der natürlichen Größe.