Altösterreichische Münzstätten.
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Werkes, das zwar wie es scheint, von Schweizern erfunden, aber zuerst in Hall angewendet wurde, und von dort aus in verschiedenen Münzstätten Österreichs und Süddeutschlands übernommen worden ist. Andere Länder, wie etwa Frankreich oder England, haben diesen technischen Fortschritt nie eingeführt, sondern sind erst später zur Einführung der Spindelpresse übergegangen, so daß diese Prägeart in gewisser Hinsicht etwas für Österreich Charakteristisches ist.
Eine außerordentliche Berühmtheit erlangte die Haller Münztechnik dadurch, daß Erzherzog Ferdinand von Tirol nach dem Haller Muster ein Münzwerk für seinen Vetter Philipp II. von Spanien hersteilen, nach Segovia überführen und dort auf stellen ließ. Von diesem Münz werk in Segovia besitzen wir ein sehr genaues Inventar, das guten Einblick in die Betriebsart ermöglicht. Es bestand aus verschiedenen Maschinen; ein erstes Werk zum Ausziehen der gegossenen Zaine, ein zweites zum Glattziehen der aus dem ersten Werk gewonnenen rauhen Zaine, ein drittes, in dem die Walzen die im zweiten Werk glatt gezogenen Zaine auf prägten.
Diese drei Werke wurden durch Wasserkraft, in Segovia am Rio Eresmo, getrieben. Dazu kommen noch Schmelzöfen mit Zugehör und für die Herstellung kleiner Münzen ebenfalls mit Wasserantrieb drei Prägewerke in der Art von Pressen und schließlich Maschinen zum Schneiden der Metallplatten und zum Herausschlagen der Münzen. Dieses Münzwerk in Segovia fand einerseits großen Widerstand unter den Münzarbeitern, anderseits die größte Aufmerksamkeit beteiligter Kreise. Zwei Beschreibungen von Personen aus dem Hofe Philipps II., nämlich des Patre Si- guenza und von Jehan Lhermite, ergänzen sich in glücklicher Weise. Auch der König kam nach Segovia und Graf Hans Khevenhüller, der Gesandte des Kaisers und Vertreter Erzherzog Ferdinands von Tirol, hatte ebenfalls sich mit der Einrichtung des Geschenkes des deutschen Vetters des Königs zu befassen. Wie die (mit der Sammlung Figdor an die Staatssammlung) gekommene Khevenhüller- sche Genealogie festhält, hatte Khevenhüller sowohl 1585 sowie 1586 beidemal im Monat Juli sich mit der Aufstellung und Überprüfung des spanischen Münzwerkes zu befassen.
Wie die österreichischen Münzstätten in technischer Hinsicht hervortraten, so erreichten sie auch einen hohen künstlerischen Rang. Während früher die deutschen Kaiser ihren Beruf an Medaillen vielfach anderwärts, namentlich durch Me-
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Abb. Münzlurm Hall in Tirol.
(Photographisches Atelier und Kunstverlag Alfred Stockhammer, Hall in Tirol.)
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