Aufsatz 
Haswell und seine dampf-hydraulischen Schmiedepressen / von Arno Demmer
Entstehung
Seite
101
Einzelbild herunterladen

Haswell und seine dampf-hydraulischen Schmiedepressen.

101

Um nun zu verhindern, daß der gegen die Zylinderenden laufende Dampf­kolben nicht die Deckel durchschlägt, ist an einem der beiden Preßwasser-pumpen- plunger ein Mitnehmer angebracht, der mittels eines Anschlages den Servomotor und damit die Kolbenbewegung umsteuert, bevor der Kolben den Zylinderdeckel beschädigen kann. Um nun auch die Steuerzylinder und den Servomotor vor Zer­stören durch Anschlägen der Steuerkolben zu sichern, sind Dämpfungszylinder vorgeschaltet, die, als Luftpuffer wirkend, jedes Aufschlagen der Steuerkolben am Hubende unschädlich machen.

Die Kraftverhältnisse der Presse ergeben: Bei einem Dampfzylinderdurchmesser von 1264 mm entsprechend einer Fläche von 12377 cm 2 und einem Dampfdruck von 5,8 atm wird ein Preßwasserdruck von 500 atm erzeugt. Da der Preßpumpen- plunger bei 132 mm Durchmesser eine Fläche von 136,8 cm 2 besitzt, so beträgt die Übersetzung zwischen der Dampfkolben- und der Preßw r asserplungerfläche

! = 1 : 90,4. Der Kolben- und Plungerhub beträgt 1580 mm, die mittlere

1 oO,o

Kolbengeschwindigkeit 0,7 m/sek.

Der Preßplunger hat einen Durchmesser von 474 mm, entsprechend einer Fläche von 1627,8 cm 2 , der Rückzugplunger bei einem Durchmesser von 132 mm eine Fläche von 136,8 cm 2 , bei einem größten Preßhub von 500 mm. Daraus ergibt sich ein Arbeitsdruck der Presse beim Abwärtsgange von 814 tons, beim Rückgänge ein solcher von 68,4 tons.

Die bei diesen Drücken auftretenden Beanspruchungen betragen:

In den Säulen im Schaft K z = 710 kg/cm 2 ;

in den Pumpentraversen, die die Pressepumpen am Dampfzylinder halten K g = 700 kg/cm 2 ;

in den Umführungsstangen K z = 700 kg;

im Querhaupt der beiden Umführungsstangen ein K h 400 kg/cm 2 und in den Armen des gußeisernen Preßkörpers an der Wurzel in der stärkst gespannten Faser K b = 387 kg/cm 2 .

Diese Ziffern entsprechen, mit Ausnahme der letzten, durchwegs modernen Werten. Die Biegungsbeanspruchung im Armkreuz ist für Gußeisen als hoch zu bezeichnen, und tatsächlich ist der Pressenkörper, allerdings nach jahrzehntelanger Verwendung, im Armkreuz im Jahre 1890 gebrochen. Jedenfalls ein Zeichen für einen ausgezeichneten Guß bei Wandstärken bis zu 170 mm.

An Gußeisen wurden für diese sogenannte kleine Presse 76000 kg verwendet, an Stahl 9645 kg, an Bronze und Kupfer 256 kg, während für Schmiedeeisen keine einwandfreie Ziffer genannt werden kann.

Nach dieser kleinen Presse baute Haswell im Jahre 1872 eine größere Presse genau derselben Art, die infolge der durchw r egs größeren Dimensionen einen Preß- druck von 1360 tons auszuüben imstande war.

Auf diesen Pressen wurden erzeugt:

Die Gegengewichtssegmente und Sektoren für die damals aus Schmiedeeisen mittels Feuerschw r eißens hergestellten Radsterne, sowie deren Naben, Kurbeln einfacher Art, sowie auch solche, die als HALLsche Doppelexzenterkurbeln für außenliegende Stephenson- Steuerungen Verwendung fanden, Gegenkurbeln, Kolben