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Eduard Merlicek
Versorgungen, das wir bei der Schilderung der Vorzeit in so trauriger Verfassung verlassen mußten. Zunächst sehen wir einzelne Städte auf die einheitliche Wasserversorgung mit natürlich oder künstlich filtriertem Flußwasser übergehen. Allen voran baute Wien, die Haupt- und Residenzstadt, 1836 bis 1841 ein solches Wasserwerk. Das Wasser wurde durch Saugkanäle dem Schottergrund am rechten Ufer des Donaukanals in Heiligenstadt entnommen und mittels einer Maschinenanlage in das höher gelegene Stadtgebiet gefördert. Da Ferdinand I. für diesen Zweck das von den Ständen dargebrachte Krönungsgeschenk gewidmet hatte, erhielt das Werk den Namen „Kaiser Ferdinands-Wasserleitung“. Bei der fortschreitenden
baulichen Entwicklung der Stadt konnte diese Anlage dem Bedarfe nur kurze Zeit genügen. Die Anlage wurde 1853 bis 1854 unter Anwendung künstlicher Filterung erweitert und dann in mehreren Baustufen noch bedeutend vergrößert. Nach dem letzten Ausbau, im Jahre 1869, lieferte die Kaiser - Ferdinands - Wasserleitung insgesamt 175006 Eimer täglich, und mußte mit dieser Menge für den größten Teil des Bedarfes Abb. 2. V nicht nur an Nutzwasser,
Erste Wiener Hochquellenleitung, Aquädukt bei Mödling. sondern auch an Trinkwasser
auf kommen, da das Brunnenwasser an vielen Orten verunreinigt war und die bestehenden spärlichen Quellenleitungen an Ergiebigkeit immer mehr einbüßten. Die Bevölkerung war um diese Zeit auf 632000 angewachsen.
1869 bis 1873 baute die Stadt die erste Hochquellenleitung, die zunächst die Quellen des „Kaiserbrunnens“ und der „Stixensteiner Quelle“ aus dem Quellengebiete des Schwarzaflusses umfassen sollte, mit dem Vorbehalte, diese Wasserleitung nach dem wachsenden Bedarfe durch die Einbeziehung weiterer Quellen aus demselben Gebiete entsprechend auszugestalten. Franz Josef I. hatte der Gemeinde Wien den Kaiserbrunnen zur Förderung des Unternehmens zum Geschenk gemacht; das neue Werk erhielt daher den Namen „Kaiser-Franz-Josefs-Hoch- quellenleitung“. Wien hatte nun das denkbar beste Wasser, das nunmehr für alle Bereiche der Wasserversorgung herangezogen wurde und dessen Einleitung von den segensreichsten sanitären Folgen begleitet war. Die Menge des zugeleiteten Quellwassers erwies sich jedoch schon in kurzer Zeit als unzureichend, und es mußte, da die Vorbereitungen für die Einbeziehung weiterer Quellen langwierig waren, noch im Jahre 1878 das „Pottschacher Schöpfwerk“ aus einer Reihe von Tiefbrunnen (in der Nähe von Gloggnitz) als Aushilfe für Zeiten des Wassermangels
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