198 Emo Descoyich: Fritz Franz Maier und seine Schiffsform.
Ab 1929 entschlossen sich deutsche, holländische, französische Reedereien auch große Fracht- und Fahrgastschiffe — bis zu 19300 Tonnen Verdräng — nach Maier bauen zu lassen. Sie bewährten sich in der Praxis. Ihre Kapitäne berichteten über vorzügliches Verhalten und geringen Fahrtverlust bei Seegang, gute Manövereigenschaften, höhere Geschwindigkeit bei ruhigem Wasser und verminderten Betriebstoffverbrauch in anerkennender Weise.
Es kam nun auch zu Maierbauten in England und den Vereinigten Staaten, wohin sich im Winter 1930 der jüngere Sohn des Erfinders Werner begeben hatte, um die American Maiershipform Company zu gründen. Ungefähr gleichzeitig gelang es Erich Maier mit Hilfe der Rotterdamer Werft Wilton seine schon früher gefaßte Idee, vorhandene Schiffe nach Maier umzubauen, in die Wirklichkeit umzusetzen. Hiebei wird der Bug auf ungefähr 3% der Gesamtschiffslänge abgeschnitten und durch einen Maierbug ersetzt. Als erstes Schiff wurde die ,,Slamat‘ des Rotterdamschen Lloyd von 17 600 Tonnen Verdräng in dieser Weise abgeändert. Die damit verbundene Verlängerung des Rumpfes ergab einen Laderaumgewinn von 4% und eine noch bedeutendere Vermehrung der freien Decksfläche. Mit der ursprünglichen, 9000 Pferdestärken entwickelnden Maschine konnte eine Geschwindigkeitssteigerung von 16,2 auf 17,8 Knoten in ruhigem Wasser erzielt werden. Bei Beibehalt der ursprünglichen Geschwindigkeit ergibt dies die Möglichkeit, die Umbaukosten in anderthalb bis zwei Jahren zu amortisieren.
Zur Zeit des Abschlusses dieses Berichtes, Anfang März 1932, schwimmen 35 Maierschiffe von zusammen weit über 200000 Tonnen Verdräng. Weitere sind im Bau. Die Idee Fritz Franz Maiers hat sich durchgesetzt. Ihrem Schöpfer, auf den stolz zu sein sein Vaterland alle Ursache hat, gebührt ein Ehrenplatz in der Geschichte des Schiffbaus.
Quellenangaben.
Berichte von Schiffahrtsgesellschaften und Kapitänen von „Maierschiffen“ aus den Jahren 1928 bis 1932.
Kloess H., „Modellversuche mit der Maierschiffsform“ in „Werft, Reederei, Hafen“ 1929, Heft 6.
Brühl W„ „Versuche und Erfahrungen mit der Maierschiffsform“ in Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 18. I. 1930.
Descovich E., „Sturmsichere Ozeanschiffe“, in „Neue Freie Presse“, 9. III. 1930.
— „Die Maierschiffsform“, „Frohes Schaffen“, Bd. 7, Nov. 1930.
Kloess H., „Wirtschaftlichkeit von Hochseefischdampfern nach der Maierschiffsform“, in „Industrie- u. Wirtschaftsbeilage der Weser-Zeitung“, 15. II. 1930.
„The Maierform of hüll“, in „Lloyds List & Shipping Gazette“, 7. V. 1930.
„Le paquepot de luxe sur la Corse“, „Ile de Beaute“, in Sondernummer von „Journal de la Marine marchande“, 28. VIII. 1930.
„Fischdampfer nach der Maierschiffsform“ (Broschüre der Maierschiffsform-Verwertungsgesellschaft m. b. II., Bremen 13).
Vorträge Ericii F. Maiers im Österr. Rundfunk, im Österr. Verein deutscher Ingenieure und im Technischen Museum in Wien (Februar 1932).
Mündliche und schriftliche Mitteilungen der Witwe und der Söhne des Erfinders.
Mündliche Mitteilungen von Sektionschef W. Exner und F. Jellinek-Mercedes. 1