Eurozentrismus
- GlossareintragEurozentrismus bezeichnet ein Deutungsmuster, das europäische Geschichte, Werte, Normen und Perspektiven bevorzugt und als universellen Maßstab setzt. Weltregionen, Kulturen und Wissenssysteme werden dabei durch eine „europäische Brille“ hindurch interpretiert – häufig verbunden mit Wertungen, Hierarchisierungen und willkürlichen Zuschreibungen. Eine weit verbreitete Ausprägung besteht in der undifferenzierten Betrachtung großer Weltregionen: Unterschiedliche Kulturen oder Gesellschaften werden als gleich dargestellt. Beispielsweise wird häufig pauschal von „Afrika“, dem gesamten Kontinent, gesprochen, wenn eigentlich spezifische Länder, Kulturen oder Gruppen gemeint sind. Die postkoloniale Kritik, unter anderen von Vertreter:innen der Subaltern Studies, legt die Zentrierung Europas bzw. des Westens in der Wissensproduktion offen und versucht, globale Interdependenzen und Verflechtungen in Form von alternativen erkenntnistheoretischen Ansätzen aufzuzeigen.
- Weiterführende InformationenDipesh Chakrabarty, Provincializing Europe. Postcolonial Thought and Historical Difference, New Jersey 2008 [2000], reissue with a new preface by the author, 4 ff.Sebastian Conrad/Shalini Randeria, Einleitung. Geteilte Geschichten – Europa in einer postkolonialen Welt, in: Dies./Regina Römhild (Hg.), Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt 2002, 17 ff.Zürcher Hochschule der Künste, Eurozentrismus (10.10.2025).
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