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Im Osmanischen Reich stellten Fermane ein zentrales Herrschaftsinstrument dar: Sie regelten rechtliche, administrative, wirtschaftliche und religiöse Angelegenheiten und besaßen höchste Rechtskraft. In Ägypten, das im 19. Jahrhundert zwar formal Teil des Osmanischen Reiches war, faktisch jedoch weitgehend autonom von den Vizekönigen (Walis, später Khediven) regiert wurde, spielten Fermane eine bedeutende Rolle auch für europäische Expeditionen. Zahlreiche Forschungs- und Sammelreisen – darunter die Vermessungsarbeiten für den Suezkanal durch österreichische Ingenieure im Jahr 1847 – stützten sich auf von den Vizekönigen ausgestellte Fermane. Diese Urkunden dienten nicht nur der Legitimation gegenüber lokalen Behörden und Militärs, sondern ermöglichten beispielsweise im Bereich archäologischer Ausgrabungen auch die Überführung von Fundstücken nach Europa.
Auch in anderen islamisch geprägten Reichen, etwa im Mogulreich in Indien oder im Safawiden- und Kadscharenreich in Persien, wurden vergleichbare Urkunden verwendet. Das türkische Wort Ferman ist ins Deutsche übernommen worden und geht seinerseits auf das persische Wort Farmān zurück, das „Befehl“ oder „Erlass“ bedeutet. - Weiterführende InformationenM.S. Kütükoğlu, Ferman, in: Kate Fleet/Gudrun Krämer/Denis Matringe/John Nawas/Everett Rowson (eds.), Encyclopaedia of Islam Three Online, Leiden 2016.Oliver Hoare, Letter from Istanbul: Imperial Ottoman Fermans, in: Apollo Vol. 124 (298) (1986), 558–559, 558.Mehrdad Kia, Glossary of selected terms. Ferman, in: derselbe, The Ottoman Empire. A historical encyclopedia Vol. 2, Santa Barbara 2017, 241.