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L. Erhard
verwischen gesucht. Dabei wurde die neuzeitliche Technik gemeinhin zur „Internationalen Technik“ umgestempelt. Übertriebener Internationalismus ist aber geeignet, das Nationalbewußtsein der Volksgenossen zu schwächen.
. Die Verwechslung von Weltverbreitung und Internationalismus läßt sich jedoch mit einem Schlag hinwegfegen, wenn man die Technik unserer Tage, anstatt aus dem Gesichtspunkt ihres weltumspannenden Seins, von der höheren Warte ihres entwicklungsgeschichtlichen Werdens ins Auge faßt. Dem rückschauenden Blick entschwindet dann die heutige souveräne Technik und in weiten Zeitfernen treten nur hier und dort die geringen Behelfe der urtümlicher! technischen Arbeit zutage. Nach der neueren biologischen Deutung der Technik sind Werkzeuge jene Organe, die sich der Mensch außerhalb seines Körpers selbst schuf. Der Faustkeil, das Grabscheit, der Wurfspieß sind solche außerkörperlichen Organe und die Technikgeschichte lehrt, daß auch alle späteren technischen Errungenschaften ursprünglich und im tiefsten Grunde nichts anderes darstellen als leibfremde Fortsetzungen der menschlichen Gliedmaßen und Sinnes Werkzeuge. Die Natur hat eben darauf verzichtet, an unserem Körper neue Organe zu bilden und der schöpferische Mensch selbst hat an die Stelle der natürlichen Entwicklung die technische Vervollkommnung gesetzt. — Trotz allen Wundertaten der neuzeitlichen Technik sind und bleiben aber die Technismen nichts anderes als ein Werkzeug des menschlichen Gebrauches: freilich, ein übermächtiges Werkzeug, das die Menschheit aus ihrer ursprünglichen Abhängigkeit von organischen Kräften und Gebilden stufenweise zur Beherrschung anorganischer Werkstoffe und Naturenergien emporführt.
Ihrer Werkzeugnatur zufolge sind die Gliedmaßen und Sinnesorgane des Körpers gerade so wie auch ihre außerkörperlichen Fortsetzungen, die Technismen, dem menschlichen Willen unterworfen und die Anwendung der Technik im Leben ist daher mit der jeweils herrschenden Geistesrichtung aufs engste verquickt. Jeder einschneidende Gesinnungswechsel pflegt die Wertung der Technik zu verändern; die gewaltigste Umwertung aber, die die Technikgeschichte kennt, hat der Nationalsozialismus vollbracht. War vordem die weit beherrschende, liberalistische Freihandelslehre hauptsächlich auf das freie Spiel der Kräfte gerichtet, so hat der nationalsozialistische Gedanke die Wirtschaftsführung in den Dienst des Volksganzen eingeordnet. Die freiwirtschaftliche Unternehmung will und muß Gewinn erzielen und sie wird sich daher der Befriedigung des bestbezahlten und nicht des lebenswichtigsten Bedarfes zuwenden. Für den liberalistischen Geist besitzt demnach die Ware Geldwert, für den nationalsozialistischen Geist besitzt sie Dienstwert. Für die freie Privatwirtschaft ist der erzielbare Gewinn, für die nationalsozialistisch geleitete Volkswirtschaft der Gebrauchswert der Erzeugnisse ausschlaggebend. Hier liegt der Sinn der technischen Arbeit im Dienst an der Volksgemeinschaft sowie in ihrer steten Hilfsbereitschaft für den Aufbau und die Macht des Reiches; dort dagegen ist die Technik das Werkzeug zum Gelderwerb. — Wie die Gliedmaßen und Sinnesorgane die natürlichen Werkzeuge des menschlichen Körpers darstellen, so bildet nunmehr auch die deutsche Technik das mit dem gesamtdeutschen Volkskörper fest verwachsene Werkzeug des nationalsozialistischen Staates. So hat die Technik durch die biologische Blutgemeinschaft der deutschen Stämme eine besondere Sinngebung