Aufsatz 
Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens / von Josef Daimer
Entstehung
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Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens.

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Baudenkmäler photogrammetrisch zu vermessen. Im österreichischen Militärgeo­graphischen Institute führte A. v. Hübl topographische Landesaufnahmen auf photogrammetrischem Wege großzügig ein. Zufolge der raschen Entwicklung der Aeronautik wurde allerorts an der Ausbildung der Aerophotographie gearbeitet, die sich im Weltkriege als unentbehrlich erwies. Bei Aufnahmen vom Flugzeug aus bewirkt die Schrägstellung der Kamera eine Verzerrung der Aufnahmen. Der öster­reichische Marineoffizier und später dem Militärgeographischen Institute als Haupt­mann zugeteilte Theodor Scheimfplug (18651911) (Abb. 8) legte die wissen­schaftliche geometrisch-mathematische Grundlage zur Behebung dieses Ubelstandes, welche Arbeiten von Hofrat Eder gefördert wurden. 1906 konstruierte Scheim- pFlug für seine Ballonkamera (Abb. 9), mit der gleichzeitig acht Aufnahmen, davon eine horizontal, die übrigen in geneigter Stellung gemacht wurden, was die Auf­nahme eines verhältnismäßig großen Geländes gestattete, das erste Entzerrungs­gerät, denPhotoperspektrographen (Abb. 10). Er machte auch auf die Möglich­keit der Vermessung unwegsamer Gebiete, wie Kolonien, Wüsten usw., mittels seines Verfahrens aufmerksam. Durch seinen frühen Tod konnte er keine Erfolge ernten. Erst der Weltkrieg ließ die volle Bedeutung dieses Mannes erkennen.

Zur Beschleunigung der Herstellung von Landkarten nach dem von C. Pulfrich in Jena 1901 erfundenen stereo-photogrammetrischen Meßverfahren konstruierte der Oberleutnant des Militärgeographischen Institutes E. v. Orel 1905 den photo­grammetrischen Stereoautographen, mit dem automatisch die Schichtenlinien ge­zeichnet werden.

Der Beamte der Wiener Polizeidirek­tion Eichberg verwendete eine von ihm gebaute Kamera für photogrammetrische Vermessung von Tatorten in kriminellen Fällen.

4. Kinematographie.

Die Urform des Kinematographen, das Lebensrad oder Stroboskop (Abb. 11), wurde 1832 von dem Professor am Wiener Polytechnikum Simon Stampfer (1792 bis 1864), unabhängig von dem Belgier Plateau erfunden. Franz Freiherr von Uchatius (18111881), der Erfinder der Uchatius- Stahlbronze, kam als Lehrer der Physik im Bombardierkorps auf den Gedanken, durch Projektion durchsichtiger stroboskopischer Scheiben mittels der Laterna magica Bewegungen der Schall- und Lichtwellen mehreren Personen gleichzeitig vorzuführen (Abb. 12). Zweifellos hat Uchatius als erster Erfinder kinematographenartiger Geräte zu gelten. Stampfer beobachtete bereits die für den modernen Kinematographen wichtige Tatsache, daß Laufbilder sollen sie gut wirken kurze Zeitabschnitte Stillstehen müssen. 1888, also vor der Erfindung des Kinematographen mit lichtempfindlichen Filmen durch die Brüder

STROBOSKOP

BEOBACHTU NGS*

Abb. 11. Stroboskop von Stampfer.