Aufsatz 
Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens / von Josef Daimer
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen

16

Josef D aimer

Lumiere in Lyon (1895), regte Ernst Mach (18351916) in Prag an, über sehr langsam verlaufende Vorgänge, z. B. das Wachstum von Pflanzen, durch

beschleunigte stroboskopische Wieder­gabe einen Überblick zu gewännen. Sein Sohn Ludwig Mach führte diese kine- matographische Zeitraffung 1893 prak­tisch aus. Aber auch die Zeitlupe, mittels welcher rasche Bewegungsvor- gänge kinematographisch verlangsamt dargestellt, also analysiert w erden können, wurde durch die Erfindung eines Öster­reichers, des Physik- und Zeichenprofessors August Musger in Graz (18681929), wesentlich gefördert. Durch optischen Ausgleich der Bildwanderung mit einer Spiegeltrommel erreichte er bei Kino­aufnahmen eine Bildfrequenz bis gegen 600 Bilder in der Sekunde. Die ihm erteilten Patente verfielen; der Apparat wurde später unter dem NamenZeitlupe durch Dr. H. Lehmann in den Erneinann- werken in Dresden gebaut, ohne daß Musger einen Nutzgenuß davon hatte.

E. Mach löste 1884 das Problem, flie­gende Projektile samt den durch dieselben verursachten Luftwirbel durch Moment­photographie festzuhalten, indem er den elektrischen Funken als Lichtquelle be­nutzte (Abb. 13). Für die Ballistik wurden die MACHschen Arbeiten außerordentlich wertvoll. Von ihm stammt auch die erste Angabe rotierender Scheiben mit Schlitzen zur Empfindlichkeitsmessung, die später von Hurter und Driffield, Scheiner u. a. zur Empfindlichkeitsbestimmung photographischer Platten praktisch ver­wertet wurde.

Die Stereoskopie wurde in Wien durch Prof. Steinhäuser wesentlich gefördert.

J. Leth in Wien stellte 1864 durch Über­tragung eines Schmelzfarbenbildes mit einer Kollodiumhaut auf Porzellan Photokeramiken her und legte derartige unver­wüstliche Bilder erstmalig in den Schlußstein von Monumentalbauten ein.

5. Institute und Lehranstalten.

Unter den staatlichen Instituten, die in großzügiger Weise die Photographie gefördert haben, muß dem Militärgeographischen Institut in Wien ein hervor-

Abb. 13. Photographie eines fliegenden Geschosses nach Mach.

'vf.-fer-'»

.BILDSCHEIBE MIT

Abb. 12. Apparat für stroboskopische Projektion von Uchatius.