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Josef D aimer
Höchstleistungen in der Reproduktion von Gemälden und Werken der Graphik bekannte Institut zur fast vollständigen Stillegung dieser Art des Betriebes.
Am kriminalistischen Institut der Polizeidirektion Wien wird die Photographie gleichfalls eifrig gepflegt.
Es erübrigt noch, über die Fachliteratur, Fachgesellschaften und das Unterrichtswesen eine Übersicht zu geben. 1854 gründete der Maler und Photograph W. Horn in Prag das erste deutsche photographische Journal. Der Bibliotheksbeamte des Polytechnikums in Wien K. J. Kreutzer gab das erste Jahrbuch über die Fortschritte der Photographie heraus sowie auch die Zeitschrift für Photographie und Stereoskopie (1855—1857). Die „Photographische Korrespondenz“ wurde 1864 von L. Schrank (1828—1905) gegründet und von E. Hornig 1870—1884 weitergeführt. Hornig legte großen Wert auf ein wissenschaftlich-technisches Gepräge der Zeitschrift, das bis heute beibehalten wurde; die Zeitschrift erfreut sich großen Ansehens der in- und ausländischen Fachwelt, sie ist Organ der Wiener Photographischen Gesellschaft und der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt.
Der photographische Unterricht kam in Österreich auf den Hochschulen in Wien schon frühzeitig zur Geltung. Etwa 1858/59 hielt am Polytechnikum der Professor für chemische Technologie J. J. Pohl einige Kurse für Photographie; 1864—1866 wirkte M. Burger als Lektor an der LTniversität. Auch Prof. Hornig hielt in den Siebzigerjahren an der Technischen Hochschule einige Kurse über Photographie ab, gab aber diese Tätigkeit bald auf. Den Unterricht in der neueren Photographie, welche durch die Einführung der Bromsilbergelatineplatte geschaffen worden war, griff Eder 1880 als Privatdozent und späterer Professor an der Technischen Hochschule auf und wirkte bis 1925. Neben dieser zurzeit verwaisten Hoch- schullehrkanzel hält seit 1920 Hofrat Prof. Dr. Paul v. Schrott Vorlesungen und Übungen für Kinematographie, w r ofür wohleingerichtete Laboratorien an der Technischen Hochschule vorhanden sind.
Aus kleinen Anfängen wuchs in Österreich das photographische Fachschulwesen zu besonders fruchtbarer Tätigkeit empor. Im Jahre 1878 wurde an der Salzburger Baugewerbeschule ein Unterricht für die Praxis der „Reproduktionsphotographie“ eröffnet, fand aber dort keinen günstigen Boden. Anderseits begann sich in Wien mit LViterstützung der Regierung und der Photographischen Gesellschaft unter Prof. J. M. Eder eine auf wissenschaftlicher Grundlage stehende photographische Versuchsanstalt zu entwickeln. In der rechtzeitigen Erkenntnis, daß bei der zunehmenden Bedeutung der Photographie und Reproduktionstechnik für Industrie, Gewerbe, Wissenschaft und Kunst eine gründliche Fachausbildung unbedingtes Erfordernis sei, wurde Eder vom Unterrichtsministerium mit der Ausarbeitung eines Organisationsplanes zur Errichtung einer bezüglichen Fachschule beauftragt und auf Grund seines Vorschlages wurde 1888 die genannte Abteilung in Salzburg mit der Versuchsanstalt in Wien unter Angliederung einer Abteilung für Zeichnen und manuelle Graphik zur „Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ vereinigt. Mit der Leitung dieser Anstalt wurde Eder betraut, der sie durch seine tatkräftige, organisatorische, wissenschaftliche und technische Führung, unter Heranziehung hervorragender Fachleute binnen wenigen Jahren zu Weltruf brachte. Der Unterricht der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt umfaßt die Porträt-,