Aufsatz 
Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens / von Josef Daimer
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen

Österreichs Anteil an der Entwicklung des Lichtbildwesens. 19

Landschafts-, technische und wissenschaftliche Photographie sowie die gesamten photomechanischen Verfahren, den Buchdruck und die manuelle Graphik. Ihr ist eine Versuchsanstalt angegliedert, deren Aufgabe in der Begutachtung neuer Ver­fahren, Prüfung photographischer und drucktechnischer Materialien, Ausführung einschlägiger wissenschaftlicher Arbeiten besteht. Diese Anstalt besitzt auch eine von Eder angelegte, reichhaltige Bibliothek sowie eine sich auf die historische Entwick­lung von Apparaten, Objektiven und anderen Hilfsmitteln erstreckende Sammlung, deren Obhut viele Jahre lang der Kustos Ed. Ktjchinka (18781930) innehatte. Dieser machte sich auch als Schüler Eders durch gründliche Forschungen auf dem Ge­biete der Geschichte der Photographie und als Verfasser des BuchesPhotoplastik sehr verdient.

Josef Maria Eder, geb. 1855 in Krems in N.-O. (Abb. 15), studierte an der Universität und an der Technischen Hochschule in Wien, wo er mit den eingangs genannten Pionieren der Photographie bekannt und zu photo­graphisch-chemischen Arbeiten angeregt wurde.

Als Assistent für chemische Technologie an der Technischen Hochschule begann er seine photo­chemischen Untersuchungen und lernte den dort studierenden E. Valenta kennen, der später sein treuer Mitarbeiter wurde. Im Jahre 1880 habi­litierte sich Eder für Photochemie an der Technischen Hochschule in Wien und wurde 1892 daselbst Professor für Photochemie. Durch die aus Staatsmitteln erfolgte Anschaffung eines Sonnenspektrographen wurde der Kreis der Tätigkeit Eders wesentlich erweitert, was zu exakten Arbeiten über die Photographie mit farbenempfindlichen Platten führte. 1884 hatte Eder mit der Herausgabe seines großenHandbuches der Photographie begonnen, das als das Hauptwerk der wissenschaftlichen Photographie gilt. Demselben folgte dasJahrbuch für Photographie und Reproduktionstechnik. Um die Jahrhundertwende beschäf­tigte sich Eder mit spektralanalytischen Untersuchungen der chemischen Ele­mente, ferner mit der Sensitometrie und insbesondere der bis dahin wenig er­forschten Geschichte der Photographie und Photochemie. Sein Buch überGe­schichte der Photographie erschien in zwei Bänden in vierter Auflage 1932. 1904 gaben Eder und Valetta eine Zusammenfassung ihrer eigenen Forschungen in dem umfangreichen WerkBeiträge zur Photochemie und Spektralanalyse heraus. In den Lehrkursen der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien wurden durch den ausgezeichneten Lehrkörper der Anstalt Spitzenleistungen auf dem Gesamtgebiete der Photographie und Vervielfältigungstechnik geschaffen, welche bei zahlreichen Ausstellungen erste Preise gewannen, z. B. bei der Pariser

Abb. 15.

Hofrat Professor Dr. J. M. Eder. Bahnbrechender Forscher auf dem Gesamtgebiete des Lichtbildwesens.