Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
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Paul von Schrott

ist. Das andere ist das Alethorama von Mortier aus dem Jahre 1898, Deutsches Reichspatent 117.025. Das dritte ein von Prof. Thorner 1900 erfundenes Spiegel­gerät, Deutsches Reichspatent 124.932.

Beim Praxinoskop erfolgt die Bildbewegung konzentrisch zu dem um dieselbe Achse rotierenden Spiegelprisma derart, daß die Spiegelfläche sich genau in der Mitte zwischen Drehachse und Bild befindet. Die Anordnung ist so, daß jedem Spiegel ein Bild zugeordnet ist. Bei der ursprünglichen Form sind die Bilder in einem geschlossenen Bildband am Innenrand einer rotierenden Trommel angebracht, in deren Innerem sich das mitdrehende Spiegelprisma befindet. Der gegen die Trom­mel schauende Beobachter erblickt die Bilder im Spiegel. Dabei ist die Entfernung vom Bild zum Spiegel gleich der Entfernung vom Spiegel zur Achse. Es führt demnach, weil innerhalb des Betrachtungswinkels die Spiegelebenen immer ihre Lage wechseln, auch die Ebene des Spiegelbildes Schwingungen um die Drehachse aus. Der Bewegungsausgleich ist infolge dieser Schwingungen nur in sehr unvoll­kommenem Maße möglich. Dazu kommt, daß es, falls man die Vorrichtung zum Projizieren benutzen will, große Schwierigkeiten bereitet, das Licht aus der Trommel herauszuführen. Eine Bildbegrenzung durch einen Spalt, wie sie im Interesse einer brauchbaren Wiedergabe unbedingt notwendig ist, kann hier nicht erfolgen.

Beim Alethorama von Mortier wurde diese Schwierigkeit der Lichtführung dadurch behoben, daß er eine Winkelspiegeltrommel anordnete, wobei die Spiegel auf zwei polyedrischen Pyramidenstumpfen angebracht sind, die mit den kleinen Seiten aneinanderstoßen, während das Bildband sich konaxial außen um die Spiegel­trommel auf einem Zylinderumfange bewegt. Durch die doppelte Knickung des Lichtweges ist hier die Lichtführung für Aufnahme und Projektion leichter durchzu­führen. Da das Bild jedoch auch hier in der Drehachse entsteht, so ist der Fehler der Schwingung der Bildebene um diese natürlich nicht behoben.

Was den Apparat von Prof. Dr. Thorner betrifft, so wurde dieser versuchs­weise von der Firma Franz Schmidt & Haensch in Berlin ausgeführt, konnte aber offenbar nicht befriedigen. Das Objektiv befindet sich hier innerhalb der Trommel zwischen Bild und Spiegel. Es ist zwar durch diese als extrafokal bezeichnete Anordnung der Übelstand der Schwingung der Bildebene um die Drehachse der Spiegel vermieden, die Erfindung klebt aber noch an dem Gedanken, den Film konzentrisch um die Spiegeltrommel herumzuführen, wodurch sich naturgemäß Schwierigkeiten der Lichtführung ergeben, welche durch Prismen oder weitere Spiegelungen behoben werden müssen. Da die Prismen in Anbetracht der großen Öffnung der Objektive ziemlich groß werden müssen, sind solche Ausführungen schwierig und sehr kostspielig.

Trotz den obigen Vorhaltungen wurde, wie bereits erwähnt, an Musger das Patent erteilt, und zwar in Österreich Xr. 23.608, Deutschland Xr. 180.944, Frankreich Xr. 387.407, England Xr. 18.945, weil eben der Fortschritt, der mit seinem Apparat geschaffen war, ganz bedeutend gewesen ist.

Musgers Fehlerdiskussion.

Wie aus den hinterlassenen Aufzeichnungen Musgers hervorgeht, war er sich darüber klar, daß der von ihm zum Patent eingereichte Spiegelausgleich nicht voll-