Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
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August Musger.

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kommen sein könne. Die Diskussion der bei Verwendung dieses Apparates ent­stehenden Ausgleichsfehler, von welchen die Patentschrift nichts erwähnt, ist uns vollständig erhalten geblieben, und wir ersehen daraus, daß Musger das schwierige Problem des Spiegelausgleiches in allen Einzelheiten wissenschaftlich erfaßt und festgelegt hatte. Erst viel später, nach Konstruktion der ERNEMANNschen Zeitlupe, wurden von anderen Seiten die Fehler des Spiegelausgleiches näher beleuchtet und führten zu Ergebnissen, die Musger schon 1906/07, also viele Jahre vorher, in voller Klarheit vorausgesehen und berechnet hatte. Musger teilte diese Fehler nach folgenden Gruppen ein: Kurvenfehler Tangentenfehler Perspektivische Fehler Zulässige Spiegelradfehler Fehler der ungleichen Lichtstärke und Absorption des Lichtes. Seinen Berechnungen legte Musger ein Rad mit 24 Spiegeln und einem Radius von 150 mm zugrunde.

1. Kurvenfehler:

Darunter versteht Musger den Fehler, der dadurch entsteht, daß die Spiegel sich nicht um eine in ihrer Ebene befindliche Achse drehen, sondern am Umfange des Prismas angebracht sind und daher außer der Drehung auch eine Translation, d. h. Parallel Verschiebung, erfahren.

Die entstehende Wirkung ist, daß das Bild auf dem Film zwar optisch stationär ist, aber die scheinbare Entfernung des Objekts (Einstellebene) sich ändert.

2. Tangentenfehler:

Dies ist der von Musger gleich richtig erkannte Grundfehler jedes rotierenden . Spiegelausgleiches, welcher darin begründet ist, daß sich der Film gleichmäßig, dagegen der geschwenkte Bildstrahl auf dem Film proportional der Tangente des Spiegeldrehwinkels ändert. Da der Verdrehungswinkel des Spiegels und die lineare Geschwindigkeit des Filmes in einem konstanten Verhältnis stehen müssen, so ist infolge der Tangentenfunktion diese Bedingung nicht ganz zu erfüllen, d. h. der Film bewegt sich, falls der Bildstrahl etwa in der Mitte des Spaltes dem Film genau synchron folgt, an den Rändern mit verschiedener Geschwindigkeit derart, daß, wenn in der oberen Hälfte die Lage des Punktbildes der Lage des Bildes in der Mittel­stellung voreilt, sie im unteren Teile nacheilt und umgekehrt. Dieser Fehler wurde von Musger rechnerisch bestimmt.

3. Perspektivischer Fehler:

Dieser Fehler entsteht nach Musger dadurch, daß bei der Drehung des Spiegel­rades das virtuelle Bild des optischen Zentrums des Objektivs dem Objektiv gegenüber seine Lage ändert. Die Rechnung zeigt, daß auch dieser Fehler durch entsprechende Verkleinerung der Spaltblende unschädlich gemachtwerden kann.

4. Zulässige Spiegelradfehler:

Damit bezeichnet Musger die zulässigen Toleranzen beim Bau des Spiegel­rades. Der Einstellwinkel der Spiegel des Spiegelrades wurde von Musger mit einer Toleranz von ± 46 Sekunden bestimmt, wobei eine Schwankung des Projektionsbildes um 2 cm bei einer Ausdehnung des Schirmbildes von 6 m entsteht.

5. Fehler der ungleichen Lichtstärke des Bildes und Absorption:

Musger fand, daß, wenn der Spalt gleich oder kleiner ist als das Bild, der obere und untere Rand weniger hell ist als die Mitte. Durch graphisches Durchprobieren ermittelte Musger eine Anordnung, welche günstigste Verhältnisse ergab, und zwar