Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
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Paul yon Schrott

bestimmte er den Bildwinkel mit 12°, den Spaltwinkel mit 18°, den Winkel zweier aufeinanderfolgenden Spiegel mit 174°, den Hauptreflexionswinkel mit 64° (das ist der Winkel, den der einfallende Strahl mit dem reflektierten Strahl bildet, wenn der Mittelpunkt eines Filmbildes in die Achse eines Objektivs fällt, die Mittellage des Spiegels bildet dann mit der Objektivachse einen Winkel von 58°), den Durchmesser des Spiegelrades mit 760 mm, die Breite einer Spiegelfläche mit 40 mm.

Musgees Kinetoskop mit Spiegelrad.

Musgers Bestrebungen gingen natürlich dahin, seine theoretisch fertige Er­findung in die Praxis umzusetzen. Dabei stieß er, wie alle mittellosen Erfinder, auf Geldschwierigkeiten, außerdem trat ihm der Mangel seiner technischen Aus­bildung, er w-ar ja theoretischer Physiker, hinderlich in den Weg.

Es hat nicht weniger als drei Jahre nach der Erteilung des Patentes gedauert, bis Musger zum Bau des Versuchsmodells schreiten konnte. Die Zwischenzeit war mit einem regen Briefwechsel nach Deutschland ausgefüllt, welcher zum Teil den Zweck hatte, reichsdeutsche Firmen zur Ausführung des Apparates zu gewinnen und auch die nötigen optischen Teile, die für den Bau des Apparates unerläßlich waren, zu beschaffen. Der Briefwechsel spielte sich hauptsächlich mit der Firma Messter in Berlin und Zeiss in Jena ab. Messter interessierte sich lebhaft für den Apparat von Musger, doch führten die Verhandlungen schließlich zu keinem greif­baren Ergebnis. Endlich beschloß Musger, den Apparat selbst zu bauen, und zw'ar nach den Abmessungen, welche seine Fehlerdiskussion ergeben hatten (Abb. 5). Wegen der praktischen Ausgestaltung des Apparates wendete er sich an den ihm von befreundeter Seite empfohlenen Ingenieur Löffler in Graz, welcher die technische Durcharbeitung des Gerätes übernahm, deren Ausführung durch die mechanische Werkstätte von Färber in Graz erfolgte. Ob Löffler der geeignete Mann für die Durchführung dieser Konstruktion war, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls schenkte ihm Musger volles Vertrauen und der Apparat wurde von Löffler nach den Angaben Musgers fertiggestellt. Die größte Schwierigkeit bereitete schon damals die Justierung der Spiegel. Diese erfolgte nach den Angaben Musgers in folgender Weise:

Der Spiegelradkörper wurde durch Guß hergestellt und genau zylindrisch ab­gedreht. In die Zylinderfläche wurde sodann in der Mitte eine ziemlich breite Nut eingefräst und der vorstehende Rand derart ausgenommen, daß für jeden Spiegel nur zwei Stege übrigblieben, und zwar war diese Teilung auf beiden Seiten der Nut gegeneinander verstellt, so daß als Spiegelauflage auf einer Seite des Rades zwei Stege dienten, denen in der Mitte auf der anderen Seite ein Steg gegenüber stand. Die genaue Bearbeitung der Oberflächen, der Stege erfolgte auf der Drehbank durch Abschleifen. Auf diese sorgfältig gereinigten Stege wurden die planparallelen Glasspiegel, von welchen der Belag an den Auflagestellen entfernt war, aufgelegt. Die Spiegel lagen demnach mit ihrem Belag gegen das Spiegelrad, wirkten also als hinterlegte Spiegel. Die Festhaltung sollte mittels überlappender Blechwdnkel erfolgen.

Nach der vorliegenden Photographie (Abb. 6) erfolgte jedoch die tatsächliche Befestigung der Spiegel auf den Stegen mittels drei Schrauben. Der erste und einzige ausgeführte Apparat, von welchem leider keine Spuren mehr aufzutreiben