Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
Seite
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August Musger.

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Betrachten wir heute die Ursachen, warum dem Modelle Musgers Mängel an­haften mußten, welche wohl der hauptsächlichste Grund für die Unmöglichkeit ihrer Ausführung im größeren Maßstabe waren, so finden wir folgendes:

Der Apparat könnte vollständig befriedigend nur mit Oberflächenspiegeln arbeiten, diese herzustellen ist aber sehr schwierig, und es standen solche Spiegel bestimmt Musger nicht zur Verfügung, da er ja in seiner Justierungs­anleitung von hinterlegten Spiegeln spricht. Die spätere ERNEMANNsche Zeitlupe arbeitete mit vollkommen planen Spiegelglasplatten, welche an der Oberfläche versilbert waren.

Der zweite grundsätzliche Fehler des Modells Musgers bestand in der Justierung. Beim späteren ERNEMANNschen Modell wurde jeder Spiegel federnd auf drei Schrauben gedrückt und seine Ebene durch Regelung der Schrauben eingestellt. Ferner wurde jeder einzelne Spiegel für sich mit Hilfe einer optischen Einrichtung genau justiert. Diese Einrichtung bestand darin, daß mit Hilfe eines Lichtpunktes und Kollimation ein künstlicher Stern geschaffen wurde, dessen Bild bei Bewegung des Spiegels auf dem Film stabil bleiben mußte. Bei Musger war eine Einzeljustierung nicht möglich, eine Trommel aber von der angegebenen Größe in jener Genauigkeit, wie sie hier erforderlich ist, zu fräsen oder zu drehen, kann fast als ausgeschlossen angenommen werden. Man muß eben bedenken, daß sich damals in Graz keine optische Werkstätte befand, welche einer derartigen Präzisionsarbeit gewachsen gewesen wäre; eine gewöhn* liehe mechanische Werkstätte konnte ein Gerät von der erforderlichen Genauigkeit nie zustande bringen.

Mußte dieses Mißlingen der praktischen Vollendung seiner Erfindung für Musger eine Enttäuschung bedeuten, so war damit das Ende der Widerwärtig­keiten, die ihm sein Werk bereitete, noch keineswegs erschöpft. In vollkommener Weltunerfahrenheit hatte Musger die Bürgschaft für größere Geldbeträge über­nommen, die von Löffler nach dessen Angaben zum Bau des ersten Zeitlupen­modells verwendet worden waren. Als Löffler mit den Zahlungen im Rückstand blieb, erwuchsen Musger schwere Verpflichtungen, denen nachzukommen ihm große Sorgen bereitete. Man ersieht aus seinen Briefen, die er in jener Zeit an einen Gläubiger schrieb, wie schwer ihn diese Angelegenheit bedrückte. Schließlich scheint Löffler die Verpflichtungen eingelöst zu haben, so daß Musger befreit aufatmen konnte.

Die Zeitlupe von Erne mann.

Etliche Jahre später, um das Jahr 1914, trat die Firma Ernemann mit einer Zeitlupe in die Öffentlichkeit, welche im Prinzip das getreue Ebenbild des Musger- schen Gerätes war, wie ein in Abb. 7 wiedergegebenes Schema zeigt. Im Gegensatz zu Musger, der ursprünglich mehr an Projektionsgeräte gedacht hatte, war diese Zeitlupe nur für Aufnahmszwecke gebaut und bestimmt. Doch welche Kränkung mußte es für Musger bedeuten, wenn sein, des wirklichen Erfinders, Name in keiner Weise erwähnt wurde. Rechtlich war die Erfindung Musgers schon deshalb freige­geben, weil seit dem Zusammenbruche der zur Ausnutzung der Patente bestimmten Gesellschaften die Patente wegen Nichtweiterzahlung der hohen Gebühren erloschen

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