Aufsatz 
August Musger / von Paul von Schrott
Entstehung
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Paul von Schrott

waren. An materielle Erfolge dachte Musger nicht, die ideelle Anerkennung seines Erfindergedankens hätte ihn vollkommen befriedigt; diese Nichtachtung seiner geistigen Arbeit erfüllte ihn jedoch mit tiefer Bitterkeit. Daß man Musger als Er­finder verschwieg ist um so befremdlicher als er mit Dr. Hans Lehmann , 1 dem Physiker der Ernemann- Werke, dessen Initiative der Bau der Zeitlupe durch Ernemann zu danken war, im Briefwechsel stand, aus dem unzweifelhaft hervor­geht, daß die ERNEMANNsche Zeitlupe auf dem Patente Musgers aufgebaut war. Auch in seinem Buch über Kinematographie erwähnt Lehmann in Bild und Wort den MusGERschen Apparat.

Abb. 7. Schema der Zeitlupe von Ernemann.

Von besonderem Interesse ist ein uns erhaltener Brief Lehmanns an Musger vom 14. April 1916. In diesem Brief teilt Lehmann die Vollendung der ersten Zeitlupe durch Ernemann mit und begründet Musger gegenüber die Ursachen, warum dessen erstes Modell nicht vollständig befriedigen konnte, mit der damaligen Unvollkommenheit im Bau solcher optischen Geräte. In richtiger Würdigung der Tatsachen verspricht sich Lehmann wegen der mittlerweile vorzüglich ausgebildeten Apparate mit ruckweise bewegtem Filmband von der Zeitlupe keinen kommerziellen, sondern nur einen wissenschaftlichen Erfolg. Sodann knüpft Lehmann eine Erörterung über die Spiegeljustierung an, welche damals auch den ERNEMANN-Werken große Schwierigkeiten bereitete und endet seinen Brief mit folgenden Worten:

1 Dr. Hans Lehmann, geh. 1875 in Leipzig-Gohlis, gest. 1917 in Dresden, war wissenschaftlicher Mitarbeiter von 19011906 bei Steiniieil in München, von 19061913 bei Zeiss in Jena und von 19131917 bei Ernemann in Dresden. Dieser hervorragende Physiker und Pliotochemiker vervollkommnete die Technik der Lippmann- Photochromie und befaßte sich erfolgreich mit der wissenschaftlichen Ausgestaltung der Kinematographie.