August Musger.
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„Ich würde mich sehr freuen, Ihnen die Fortschritte vorführen zu können, welchen Ihre Erfindung zugrunde hegt... “ Somit bezeugte Dr. H. Lehmann selbst, daß die Zeitlupe auf der Erfindung Musgers beruht.
Musgers letzte Arbeiten. — Schlußwort.
Musger versuchte wohl, insbesondere nach dem Kriege, durch die Presse in seine Erfinderehren eingesetzt zu werden, doch scheinen diese Versuche im Sand verlaufen zu sein. So blieb Musger von seiner großen Schöpfung nichts als Kränkung und Bitterkeit zurück — das Los eines österreichischen Erfinders.
Er hat aber diese Rückschläge mit Fassung getragen, denn er arbeitete auf dem Gebiete des Bildausgleiches unverdrossen weiter und reichte im Jahre 1916 neuerlich ein Patent ein, bei dem der Spiegelausgleich durch zw r ei Zylinderkränze erfolgen sollte, von denen die Spiegel des einen Kranzes gesteuert werden konnten. Die Erteilung des österreichischen Patentes Nr. 87.843 erfolgte im Jahre 1921. Die ungünstige wirtschaftliche Lage nach dem Krieg ist wohl der Grund, daß weitere größere Versuche in dieser Richtung nicht ausgeführt wurden, wenn auch ein Modell besteht, welches aus vorhandenen Fragmenten im Technischen Museum in Wien zusammengesetzt wurde (Abb. 8). Es mag auch schon das vorgeschrittene Alter Musgers gewesen sein, welches ihn hinderte, diese zweite Erfindung nachdrücklicher zu verfolgen. Inmitten seiner Arbeiten starb Musger am 30. Oktober 1929. Er wurde mit vielen Ehren zu Grabe getragen ; der große Kreis der Trauergäste zeigte, welche Liebe er sich im Leben erworben hat. Die Dornenkrone der Enttäuschung drückte diesen wahren Diener des Herrn schwer, die Nachwelt wird ihm aber für seine Schöpfung danken. Denn er war es, der den Grund zum Bau der Zeitlupe legte, jenes Gerätes, dessen weitere Entwicklung nicht nur die Wissenschaft so sehr förderte, sondern überdies vielen tausend Menschen Belehrung und Unterhaltung verschaffte. Bald bemächtigte sich auch die Filmindustrie, insbesondere für Darstellungen sportlicher Natur, dieses Gerätes. Durch den Film „Die Wunder des Schneeschuhes“, in welchem erstmalig Zeitlupenaufnahmen in großem Umfange eingeschaltet waren, dürfte es klar geworden sein, wie unglaublich verwickelt, ja unwahrscheinlich die
Abb. 8. Modell des Kinematographen von Musger aus dem Jahre 1921.