Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Franz Freiherr von Uchatius.

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reichen Lebens schaffen konnte, wurde zu den Elementen, aus denen er in den nächsten drei Jahrzehnten den Neuaufbau der artilleristischen Ausrüstung der Habsburger monarchic entwickelte.

Aber auch schon die erste dieser beiden Studienreisen, die Uchatius vor Ende August 1849 antrat und ihn einen Monat von Wien fernhielt, brachte ihm, der bis dahin nur das Eisenwesen der Steiermark und Kärntens kannte, großen Gewinn. Denn auf dieser Reise hatte Uchatius Gelegenheit, die Eisenwerke in Mähren, in Österreichisch-Schlesien und in Preußisch-Schlesien zu besuchen, die damals durch ihre Größe und durch ihre vorzügliche Einrichtung jene Inner­österreichs überflügelt hatten.

Die zweite Studienreise aber, die vom Dezember 1850 bis zum Juni 1851 dauerte, ermöglichte LIchatius das Studium der damals bedeutendsten artilleristisch- technischen Einrichtungen der Welt. Diese Reise machte er als Zugeteilter einer technisch-ökonomischen Kommission mit, die von der österreichischen Heeres­verwaltung nach Sachsen, Belgien, Frankreich, England und Bayern entsendet worden war, und die in diesen Ländern, soweit sich dies auf offiziellem Weg über­haupt tun läßt, alle Wege geebnet fand. Trotzdem ist der große Erfolg, den gerade Uchatius auf dieser Reise zu erzielen verstand, wohl hauptsächlich seinen persön­lichen Eigenschaften, seinem fachlichen Wissen, seiner Kunst, alles Gesehene auch durchschauen und einordnen zu können, seinen Sprachkenntnissen und nicht zuletzt seiner echt österreichischen Kunst der Menschenbehandlung zu danken.

Der Niederschlag dieses reichen Schatzes von Erkenntnissen ist in einer Reihe von Berichten an die Vorgesetzten Stellen festgelegt, die Uchatius bis zum Septem­ber des Jahres 1851 schrieb. Sie haben sich in einem der mit 11 Abbildungstafeln versehenen hektographisch vervielfältigten Exemplare im Wiener Kriegsarchiv als Beweis dafür erhalten, daß man es verstanden hatte, den richtigen Mann für diese Mission zu finden. In Einzelberichten wird hier von Uchatius das Salpeterwesen, das Pul verwesen, das große und das kleine Geschütz wesen (die Herstellung und Erprobung von gegossenen und schmiedeeisernen Rohren, die Erzeugung von Bettungen und Lafetten sowie das Gewehrwesen), die Laboratorien und endlich das technisch-militärische Schulwesen in Frankreich geschildert. Am Ende jedes Einzel­berichtes sind die aus diesem sich ergebenden Erkenntnisse in einResume und unmaßgebliche Schlußfolgerungen zusammengefaßt.

Von den gesehenen Anlagen machte auf Uchatius jene der Geschützgießerei in Lüttich durch ihre Grundrißlösung den größten Eindruck. Er unterläßt es aber nicht, hinzuzufügen:Noch zweckmäßiger dürfte das Arrangement in der neuen spanischen Gießerei zu Truvia sein, welches, basiert auf vieljährige Erfahrungen vom Obersten Frederix getroffen wurde. Fig. XL. Es ist eine Nachahmung der französischen Marinegießerei in Ruelle und St. Gervais. Die Abstichöffnungen der Öfen liegen hier noch näher aneinander, die Dammgrube ist kleiner. Die sechs Öfen der einen Halle dienen hauptsächlich für den Guß eiserner Geschütze, die anderen sechs zum Bronze- und Munitionsgusse. Hingegen werden bei Besprechung des Arsenals von Woolwich insbesondere dessen maschinelle Einrichtung als nach­ahmenswert hervorgehoben und englische Maschinenfabriken namhaft gemacht, von denen Werkzeugmaschinen und die eben erst erfundenen Dampfhämmer be-

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