Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
Seite
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Franz Freiherr von Uciiatius.

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Dampfmaschine mit in Kellertiefe angeordnetem Kessel und vortreffliche ma­schinelle Einrichtungen.

Der Bau des Arsenals wurde erst 1856 am 8. Mai mit einer feierlichen Schluß­steinlegung beendet. Die Arbeiten dortselbst waren noch immer im Gang, als Uchatius am 13. November 1855 seine vor elf Jahren auf genommenen Bemühungen umeine verbesserte Methode, Stahl zu erzeugen durch ein französisches Patent gekrönt sah. Er war von der Bestimmung des Kohlenstoffgehaltes des Roheisens ausgegangen und hatte im Zug seiner Arbeit wohl bald erkannt, daß Stahl nichts anderes sei als kohlenstoffarmes Eisen. Im weiteren Verlauf seiner Forscherarbeit kam er zur Überzeugung, daß der Entzug von Kohlenstoff, der die Umwandlung von Roheisen in Stahl herbeiführen mußte, durch Heranbringen des dem Kohlen­stoff affinen Sauerstoffs durchführbar sein müsse. Im Lauf des Jahres 1854 war es dann Uchatius endlich gelungen,den Stahl unmittelbar aus Roheisen dar­zustellen, was gegenüber dem bis dahin üblichen englischen Verfahren, das Roh­eisen in Stabeisen, dieses in Rohstahl und sodann diesen in Gußstahl zu verwandeln, unbedingt einfacher w T ar und wirtschaftlicher sein konnte.

Uchatius gewann den Gußstahl, indem er granuliertes Roheisen mit gepulverten oxydischen Eisenerzen (Spateisenstein und Braunstein) vermengt in Graphittiegel füllte und dieses Gemisch durch Einsetzen in einen der damals üblichen Tiegel­ofen zum Schmelzen brachte. Den so gewonnenen Stahl nannte man Erzstahl oder Uchatius- Stahl. Der Schmelzofenprozeß dauerte gegen 2 1 / 2 Stunden. Man be­nötigte für ihn allerdings Tiegel aus besonders hochwertigem Graphit. Der nach diesem Verfahren gewonnene Stahl erwies sich insbesondere zur Erzeugung von Eisenbahnschienen geeignet, nicht aber nach des Erfinders eigener Angabe zum Geschützguß. Dieser war bis dahin einzig Krupp in Essen gelungen, der 1841 die ersten Geschützrohre aus Gußstahl erzeugte, deren Einführung er aber erst in den Jahren 1856 bis 1859 in der preußischen Artillerie, erstmalig in aller Welt, durchsetzen konnte.

Die Verwertung des UcHATius-Verfahrens im Ausland hatte der Stahlwerks­besitzer Carl Lenz aus Traisen übernommen. Diesem gelang es, damit zunächst in Paris großes Aufsehen zu erregen. Trotz wohlgelungener Vorführungsversuche erreichte er es aber nicht, die französische Regierung zur Erwerbung des Patents zu bewegen. Dieses kaufte wenig später Herr Mancel de Valdauer, der in Paris eine FirmaSociete Uchatius zur Verwertung der Lizenzen begründete. Lenz aber begab sich im September 1856 nach London, wo in den Albion Engine Works von Remie & Son Vorführungsversuche gemacht wurden. Diese führten dazu, daß die damals zu den mächtigsten Eisenwerksgesellschaften der Welt zählende Ebba- Vale-Ironworks-Company die Patentrechte für England erwarb und sich anschickte, das Uchatius- Verfahren im großen Stil im Ponty-Pool-Eisenwerk auszuwerten.

So schien alles in bestem Fluß, als plötzlich hier, wie so oft auch in andern Belangen das Gute vom Besseren aus dem Feld geschlagen wurde: Es wurde still um das Uchatius- Verfahren, da das Bessemer- Verfahren bald nach seiner ersten Be­kanntgabe in der British Association for the Advancement of Science in deren Jahresversammlung in Cheltenham am 13. August 1855 rasch in seiner überragenden Bedeutung und als einziges Verfahren erkannt wurde, durch das sich Massenerzeu­gung in der Stahlbereitung ermöglichen ließ.