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Erich Kurzel-Runtscheiner
So bestand für Uchatius die einzige Ernte nach all den „eifrigen Bemühungen zur Vervollkommnung der Qualität des Gußeisens“ aus zwei Belobungserlässen der Vorgesetzten Kommandostellen (27. Oktober 1852 und 25. Mai 1858) und aus der Freundschaft, die ihn von dieser Zeit an mit der Familie Lenz verband. Für seine großen Verdienste um den Arsenalbau aber wurde Uchatius, nachdem er schon am 9. Mai 1851 Hauptmann geworden war, am 8. Mai 1857 der Orden der eisernen Krone 3. Klasse verliehen, was für ihn und seine Nachfahren nach den damals geltenden Bestimmungen die Erhebung in den Ritterstand bedeutete.
Eben begannen sich auch die ersten Auswirkungen einer epochemachenden Neuschöpfung auf artilleristischem Gebiet bemerkbar zu machen: das gezogene Geschütz. Dieses ging auf Versuche zurück, die der schwedische Baron von Wahren- dorff in seiner Eisengießerei zu Aker 1841 mit der Konstruktion einer glatten Hinterladerkanone begann und die 1845 im Gedankenaustausch mit dem sardinischen Artilleriekapitän Cavalli zum ersten Geschützrohr mit Zügen führten. 1846 konstruierte dann der französische Artilleriegeneral La Hitte eine gezogene bronzene Vorderladungskanone mit Ailetten- (Warzen-) Führung der von ihr verfeuerten zylindro-ogivalen Geschosse. Die Herstellung der neuen Geschütze wurde 1858 mit solcher Energie betrieben, daß im Feldzug 1859 schon 36 Batterien „System La Hitte“ gegen Österreich verwendet werden konnten. Sie waren insbesondere in der Schlacht bei Solferino von entscheidender Wirkung.
Die Erfahrungen des für Österreich unglücklichen Ausgangs des Feldzugs des Jahres 1859 hatten zur Folge, daß auch hier die Erneuerung des Artilleriematerials durchgeführt werden mußte. Soweit es sich um Verteidigungsgeschütze handelte, ging diese Umbewaffnung ohne große Reibungen vor sich. Die 12-em- und 15-cm-Kanonenrohre M 61 waren, erstmalig für Österreich, für Hinterladung eingerichtet. Die Rohre wurden aus Gußeisen erzeugt und entsprachen, dank der Forschungsarbeit des Uchatius auf werkstofftechnischem Gebiet, den Anforderungen der Zeit. Der Kolbenverschluß war jenem, den Wahrendorff entwickelt hatte, nachgebildet. Die Rohre konnten in verschiedene, den jeweils gestellten Anforderungen entsprechende Lafetten eingelegt werden. Trotzdem diese in ihren Hauptteilen noch aus Holz bestanden, war dieses Geschützmaterial alles eher, denn rückständig zu nennen.
Schwieriger gestaltete sich die Umbewaffnung der Feldartillerie. Hier ergab sich insbesondere aus der sogenannten „Schießwollfrage“ Verwirrung und Verzögerung. Die Schießwolle (Schießbaumwolle) war erstmalig 1845 von Schönbein und 1846 von Böttger dargestellt worden. Die weitgehenden Erwartungen, die dieses Ereignis hinsichtlich der Verwendbarkeit dieses brisanten Treibmittels für Kriegszwecke zur Folge hatte, konnten nicht in Erfüllung gehen, solange man, trotz mancher Verbesserung des ursprünglichen Herstellungsverfahrens, kein haltbares Erzeugnis erzielen konnte. Dieses schien aber sichergestellt, als der österreichische Artillerieoffizier Wilhelm Lenk von Wolfsberg erkannte, daß eine geregelte Verdichtung der Faser unerläßlich sei, wenn die Schießwolle an Stelle des bis dahin üblichen Schwarzpulvers als Geschützladung verwendet werden solle. Zur Auswertung dieses neuen Verfahrens wurde 1853 in Hirtenberg eine Schießwollefabrik begründet. Lenk hatte zur gleichen Zeit auch ein Geschützsystem erdacht, das für