Franz Freiherr von Uchatius.
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Arsenaldirektion um Überlassung einer dieser „Pulverprobemaschinen“ an. Diese Ansuchen wurden dem Kaiser vorgelegt, der entschied, daß je ein Satz dieser Geräte, „jedoch ohne Annahme des dafür angebotenen Kostenersatzes“, abgegeben werde. Mehrere hohe ausländische Auszeichnungen waren für Uchatius die erfreulichen Erfolge dieser seiner konstruktiven Leistung.
Aber auch in der Schießwollfrage haben die Untersuchungen, die man mit der Pulverprobe machen konnte, entscheidend mitgewirkt: Es wurde an die Einführung des LENKschen Schießwollgeschützes nicht mehr gedacht. Dagegen noch im Jahre 1863 endgültig das unter Verwendung der LENKschen Idee keilförmiger Bogenzüge vom Artilleriekomitee entworfene Geschützmaterial M 63 angenommen. Die Rohre der auf Grund dieses Entschlusses erzeugten Feld- und Gebirgsgeschütze Muster 63 wurden aus gewöhnlicher Geschützbronze gegossen. Es waren dies jene Vorder - ladungskanonen, mit denen die kaiserliche Armee im Jahre 1866 ins Peld zog. Trotzdem diesen österreichischen Vorderladungsgeschützen auf preußischer Seite gezogene Hinterladungsstahlkanonen gegenüberstanden, konnten diese die Erwartungen, die auf ihre überlegene Wirkungsfähigkeit gesetzt worden waren, nicht erfüllen. Die österreichische Artillerie, die mit Geschützen ausgerüstet war, die sich, obwohl nach weniger neuzeitlichen Gesichtspunkten gestaltet, vorzüglich bewährten, kehrte aus den Feldzügen des Jahres 1866 nicht nur vom südlichen, sondern auch vom nördlichen Kriegsschauplatz, wo sie auf der unterliegenden Seite stand, mit Ruhm bedeckt heim.
An den Vorarbeiten zur Schaffung des Geschützmaterials des Jahres 1863 und an dessen Ausgestaltung und Herstellung hatte Uchatius rühmlichen Anteil. Er war inzwischen im April 1861 Kommandant des Geschützzeugs-Artilleriekommandos im Wiener Arsenal und am 13. August 1863 Oberstleutnant geworden. Die Wertschätzung, die man ihm von Seiten seiner Vorgesetzten und an höchster Stelle entgegenbrachte, war noch gewachsen, seit Erzherzog Wilhelm, der dritte Sohn des Generalfeldmarschalls Erzherzog Karl, der Hoch- und Deutschmeister, 1864 Generalartiilerieinspektor geworden war. Diesem tapferen und unterrichteten hohen Herrn, der als Befehlshaber der österreichischen Artillerie im Heere Benedeks in der Schlacht von Königgrätz verwundet wurde, verdankt die Artilleriewaffe der Habsburgermonarchie vielfache Förderung. Uchatius wurde er ein mächtiger Gönner und Protektor. Trotzdem schrieb Erzherzog Wilhelm in die Dienstbeschreibung des Jahres 1869 über Uchatius, der inzwischen, am 16. Februar 1867 Oberst geworden war, folgende Sätze: „Dieser sehr verdiente und in seinem Fach ausgezeichnete Stabsoffizier ist bereits in Jahren zu weit vorgerückt, um auf eine Beförderung Anspruch machen zu können. Erlaube mir jedoch denselben jeder möglichen Berücksichtigung wärmstens anzuempfehlen“.
LVhatius schien also damals, kurz vor Erreichung des 60. Lebensjahres, am Ende seiner Laufbahn angelangt. Er war, wenn auch „dermalen gesund und diensttauglich“, kurz vorher „durch 4 Monate mit Hämorrhoidalkongestionen höheren Grades und Aufregung des Nervensystems krank und undienstbar, darunter 6 Wochen krankheitshalber beurlaubt“ gewesen. Man wußte, daß er schon als Bombardier einmal durch fast ein Jahr an Melancholien gelitten hatte. Es war also mehr als Uchatius selbst erwarten durfte, wenn er 1871 noch zum Kommandanten der